Die formale Politik oder Verfassungslehre.
zebornen Demokraten, da von dem gebornen Aristokraten beim Besitze der
Mittel höherer Bildung und behaglicher Stellung eine unpartheiische und weise
Beurtheilung eher zu erwarten ist als von dem gedrückten Plebejer. Es gibt
war solche, welche aus Rachsucht oder Verzweiflung die Reihen der Aristokratie
verlassen, um als Demagogen ihre Zwecke zu erreichen, und Plebejer, welche
aus Servilismus, aus Gewinnsucht oder andern niedrigen Beweggründen für
die Aristokratie plaidiren, aber auch nicht Wenige, welche aus treuer Anhäng⸗
lichkeit, aus Dankbarkeit oder Religiosität den Lockungen der Demagogen wi⸗
derstehen.
Ebenso wichtig als die Triebfeder der Selbstliebe ist für die Politik
and die Verfassungslehre die Kenntniß der nächsten Ursachen aller
nenschlichen Handlungen, Entschlüsse, Willens bestimmungen.
Viele theoretische Politiker, wenn ihnen zufällig Gelegenheit gegeben wird
Exrperimente zu machen, räsonniren gerade so als ob die menschlichen Hand—
ungen alle durch Intelligenz und durch die Vorschriften des Sittengesetzes oder
des politischen Gesetzgebers bestimmt würden, während dieses nur selten und
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ungen in der Regel in dem Impulse thierischer Triebe, in der Macht des Tem⸗
oeramentes, in der Reizbarkeit der Nerven, in einer habituellen oder zufällig
erregten Leidenschaft, in den Einflüssen der Erziehung oder dem Mangel der⸗
selben, in den Eindrücken der äußern Umgebungen, der Erlebnisse, der Bei—
Ppiele, in der individuellen Organisation des Gehirnes, in dem Mechanismus
der Ideenassociation, in bewußtloser Angewöhnung zu finden sind. Die Gesetz⸗
gebung kann einige dieser Momente allmählich modificiren; aber diese Wirkung
ritt nur allmählich und nach längerer Zeit ein, und die physischen Momente,
gerade die wichtigsten, sind ganz außer ihrem Bereiche. Sie werden daher
überall und zu allen Zeiten ihren Einfluß üben auf die meisten Handlungen der
Menschen; die praktische Politik kann diesen Einfluß nur auf kluge Weise be—
rechnen, nicht durch ein Machtgebot oder eine Theorie außer Wirksamkeit setzen.
Es ist bekannt, daß sehr gebildete oder sittlich gesinnte Menschen zuweilen durch
solche Impulse zu Handlungen bestimmt werden, welche ihre Intelligenz als
unklug, ihr sittliches Gefühl als verwerflich bezeichnet; aber die Angewöh—
nung, die Leidenschaft, die Macht des thierischen Triebes, oft der Genuß von
Alcohol überwältigt das bessere Ich. Was ist dann zu erwarten von der Masse
der Ungebildeten? Manche Theoretiker erwarten hier Alles vcn dem Volksun⸗
terrichte. Wir anerkennen den Nutzen desselben (Allgem. Staatsl. F 45.), aber
die Erfahrung in den nächsten Umgebungen hat uns überzeugt, nicht nur, daß
die Pädagogen den Werth desselben für die höhere intellectuelle Bildung weit
überschätzen, sondern daß bei der größten Sorgfalt und bedeutenden pecuniären
Opfern, welche der Staat darauf verwendet, die den Schülern beigebrachten