7. Allgemeiner Theil der Verfassungslehre. 79

der Synagoge. Man wollte jedoch das Sectenwesen polizeilich hindern, und
Napoleon beschränkte im Elsaß die Verkehrsfreiheit der Israeliten. Die Charte
ↄctroyée v. 4. Juli 1814 erklärt: »b. Chacun professe sa religion avoc une
ôgale liherté et obtient pour son culte la même protéction. 6. Cependant
la religion catholigue àapostolique et Romaine est la reli—
gion de l'etat. 7. Les ministres de la religion cath. apost. et Rom.
reçoöoivent seuls des traitemens du trésor royal.« Die Charte
oom 14. August 1814 substituirt den Art. 6. u. 7. Folgendes (Art. 6) »les
ministres de la religion cath. apost. et Romaine professée parla majorité
 des Frangçais, et ceux des autres culteos chrétiens reéçoivent
 des traitemens dutrésor public.« Ein Gesetz vom 8. Febr.
1831 gab auch den ministres du eulte Israslite eine Besoldung aus der
Staatscasse. Lanjuinais, ein Christ aus Ueberzeugung und dem ächten Ka⸗
tholicismus zugethan, hat in seinem Traité sur la Charte von 1814 die Grundsätze
 der Toleranz und des Staatskirchenrechtes entwickelt. Chap. VI. 98 167 —
183. Durch die Charte von 1830 sind diese Grundsätze bestätigt.
Das schweizerische Bundesstaatsrecht bekennt sich nicht zu dem Liberalis—
mus der deutschen Fortschrittsparthei. Art 41. der Bundesverfassung ge—
währleistet das Recht der freien Niederlassung im ganzen Umfange
der Eidgenossenschaft allen Schweizern, welche einer der christlichen
Confessionen angehören. Nach Art. 44. ist die freie Ausübung
des Gottesdienstes den anerkannten christlichen Confessionen
im ganzen Umfange der Eidgenossenschaft gewährleistet. Nach Art. 48. sind
sämmtliche Cantone verpflichtet alle Schweizerbürgerschristlicher Con—
fession in der Gesetzgebung sowohl als im gerichtlichen Verfahren den Bür⸗
gern des eignen Cantons gleich zu halten. Art. 588. Der Orden der Jesui—
ten und die ihm affilirten Gesellschaften dürfen in keinem Theile der Schweiz
Aufnahme finden. — Wir überlassen der subjectiven Beurtheilung, ob diese Be—
schränkungen als Zeichen einer geringen Culturstufe oder als Beweis praktischen
Sinnes und republikanischen Gemeingeistes zu betrachten seien. Immerhin
ist die individuelle Gewissensfreiheit indirect gewährleistet Art. 2. (Der
Bund hat zum Zweck — — Schutz der Freiheit der Eidgenossen.). Art. 43.
Kein Canton darf einen Bürger des Bürgerrechts verlustig erklären. Art. 45.
Die Preßfreiheit ist gewährleistet. Art. 46. Die Bürger haben das Recht Ver⸗
zine zu bilden. Vgl. Blumer, Handb. d. Schweiz. Bdos.-Staatsrechts.
l. Bd. Cap. IV. ð 4. In den meisten Cantonen ist die Verfassung und Gesetz⸗
gebung, oder die Praxis und die öffentliche Meinung einer größern Toleranz
zugethan.