7. Allgemeiner Theil der Verfassungslehre. 131
Regeln zusammengereiht; doch können wir die streng wissenschaftliche Methode
darin nicht entdecken, und die einseitigen politischen und hierarchischen Ansichten
and Tendenzen des Restaurators können sich auch in dieser Makrobiotik nicht
oerläugnen, der breiten, weitschweifigen Manier nicht zu gedenken. Gerade
wie Haller für Patrimonial-, Militär- und Priesterstaaten, hat Macchia⸗
vell im Principe und in seinen Bemerkungen über die erste Decade des Livius
die Makrobiotik des italienischen Absolutismus und der Republiken gelie—
fsert; und Montes quieu hat im Esprit des Loix die Makrobiotik der ver—
schiedenen Staatsformen und Staatsgattungen geistreich und wissenschaftlich
behandelt. Wenn einzelne Sätze historisch oder politisch unrichtig, andere von
Condorcet und Tracy nach ihren Theorieen angefochten sind, so befindet sich
darunter ein Reichthum gediegenen Goldes. Auch das Büchlein de la Grandeur
 et de la décadence des Romains gehört hieher. Von Neuern verdient
Erwähnung Ferrand's Théorie des révolutions. 4. Vol. 1817. Ferrand war
beim Ausbruche der französischen Revolution eines der jüngern Glieder des
Pariser Parlaments und gehörte zu denen, welche darauf antrugen, daß das
Parlament vom Könige die Einberufung der Reichsstände Etats-généraux)
verlange; er erkannte aber bald, welchen Gang die Ereignisse nehmen würden,
and emigrirte im September 1789, um erst mit der Restauration zurückzukeh—
ren. Begreiflich ist seine Theorie gefärbt durch die Eindrücke, welche die Re⸗
volution auf Emigrirte und auf Anhänger der alten Monarchie machen mußte;
aber er hatte seine unfreiwillige Muße zu gründlichem Studium der Geschichte
benutzt, und man kann diesem Werke bedeutenden Werth nicht absprechen.
Mohl hat in mehrern Abschnitten seiner Politik treffliche Beiträge zur Makro—
biotik geliefert, und in seiner Geschichte und Literatur der Staatswissenschaft
eine große Zahl von Werken charakterisirt, welche Materialien für Makrobiotik
iefern. Um uns nicht dem Vorwurfe oder Schein eines Plagiats auszusetzen,
oder eine Liste anzufertigen, welche doch nicht vollsftändig wäre, beschränken wir
uns darauf als Fundgruben makrobiotischer Lehren anzudeuten die Geschichts—
werke von Thukydides, Polybius, Tacitus, Cicero's Republik und Briefwech⸗
sel, Guicciardini, die Memoiren von Sully, Richelieu, die Reden Peel's, die
Memoires et Discours de Stanislas Girardin, die schon oft citirten Werke von
Raudot, die historischen Werke Guizot's. Auch ist nicht zu verkennen, daß Na⸗
boleon im Staatsrathe, in seinen vertrauten Unterredungen, seinen Correspon⸗
denzen viele tiefgedachte Bemerkungen für Makrobiotik hinterlassen hat, welche
ein Denkmal seines Scharfblickes und seines Genies sind. In den Unterhal—
ungen auf St. Helena sind dieselben vermischt mit Vielem was einen andern
Tharakter hat.
Wir schließen mit einer Auswahl einiger der allgemeinsten und in prakti⸗
scher Hinsicht wichtigen Saͤtze.