8. Die Monarchie. 163

und Eigenschaften fehlen, oder gar erbärmliche Persönlichkeiten die Monarchie
cepräsentiren. Vergeblich sucht diese dann, wie Mohl richtig bemerkt, eine
Stütze in dem Zuhalten des Adels, welcher vielmehr selbst die Monarchie als
Stütze bedarf“) und oft durch seine Privilegien die Abneigung des Volkes ver⸗
mehrt**), oder in der Verbindung mit der Kirche, deren Unterstützung durch
Preisgebung der Rechte des Staates erkauft werden muß, nicht zuverlässig ist
and oft durch die Antipathie eines Theils der Bürger aufgewogen wird. Die
Gewinnung Einzelner ist eine, wenn auch schwache Stütze, doch nicht so unbe—
deutend als Mohl a. a. O. 8 26. glaubt, wenn mit kluger Auswahl und fei—
nem Tact verfahren wird. Man denke an den Einfluß ausgezeichneter Publici—
sten und Schriftsteller oder anderer Persönlichkeiten, welche auf die Massen
virken können, z. B. Capitalisten, Unternehmer öffentlicher Bauten, oder gro⸗—
zer industrieller Etablissements. Wenn auch die Verleihung von Titeln und
Orden nicht mehr den gleichen Zauber wie ehemals übt, so hat dieses Mittel
aicht allen Reiz verloren und für Manche ist der Werth ein reeller. Auch muß
die Prärogative bereits sehr abgeschwächt sein, wenn der Fürst bei aller Bud⸗—
get-Controle nicht immer noch hinreichende Mittel fände durch pecuniäre Gunst⸗
bezeugungen oder materielle Vortheile anderer Art Diejenigen zu gewinnen,
welche deren bedürfen oder auf Titel keinen Werth legen. Richtig ist im Ganzen
genommen was Mohl 8 27. hinsichtlich des Beamtenthums bemerkt: „das
zahlreiche, wohlgegliederte und gut in Zucht gehaltene Heer der Beamten ist
ein Machtelement geworden, welches früher den Fürsten abging, sowohl durch
die Wirksamkeit des Mechanismus, als subjectiv durch die Abhängigkeit der
Beamten. Allein die Erfahrung hat gezeigt, daß auch die wohlgeordneteste
Beamten-Hierarchie das plötzliche Zusammenbrechen der bestehenden Regierung
aicht hindert. (1815. 1830. 1848. 1882. 1859. 1860.) In allen diesen Fällen
hat sich die Staatsdienerschaft mit wenigen Ausnahmen der neuen Gewalt als
willige Werkzeuge zur Verfügung gestellt. Sie sind an Gehorsam gewöhnt,
wenn die Befehle formell richtig sind. Viele Beamte haben keine andern Exi⸗
stenzmittel. Das Beamtenthum mag mit Erfolg verwendet werden gegen die
Freiheiten des eigenen Volkes, nicht aber gegen Umwälzungen oder einen aus—
wärtigen Eroberer ***).“ Man kann diesen Bemerkungen Mohl's beifügen, daß
in mehrern deutschen Staaten ein bedeutender Theil des Beamtenthums statt
eine Stütze der Monarchie zu sein, sich vielmehr in neuerer Zeit als ein gefähr⸗
— DD Scheu trugen als
Führer der Opposition aufzutreten, welche strebt das monarchische Princip zu

) S. oben gz 3. die Idee des Koͤnigthums nach Stein.
**) Tocequeville, La révolution et l'ancien régimoe.
4*x*, Raudot, La Pécadence de la France. Chap. 11. 885 1. 6.