8. Die Monarchie.

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zewährter Staatsphilosophen die Frage objectiv zu erörtern. Da wir eine
oraktische Wissenschaft behandeln, so sind archäologische und geschichtliche
Erörterungen oder Hypothesen über den Ursprung des Adels in der mythischen
Zeit und im Mittelalter unserer Aufgabe fremd“). Möchten die Nichtadlichen
aus dem niedrigen Stande von Sorvi, Leibeigenen, Hörigen entsprossen, oder
die Vorfahren der Edelleute gewaltsame Usurpatoren gewesen sein, welche
Gleichberechtigte in den Stand der Unfreiheit herabdrückten, so kann weder
jenes den Abkömmlingen von Leibeigenen Abbruch thun an ihrer Menschen⸗
würde und Personlichkeit, noch das Letztere berechtigen zu einer Anklage oder
Verfolgung gegen die jetzt lebenden adlichen Nachkommen, nachdem der Besitz⸗
tand durch Jahrhunderte sanctionirt und die Leibeigenen längst emancipirt sind.
Uebrigens weiß Jeder, welcher in dieser Materie einigermaaßen orientirt ist,
daß jene exclusiven Theorieen geschichtlich am wenigsten begründet sind, und
daß der hohe und der niedere Adel der Gegenwart aus einer Mehrzahl ver⸗
schiedener Elemente und Entwickelungen hervorgegangen ist. Wir nehmen ihn
daher wie er ist als ein Gegebenes um die Frage zu erörtern, ob der Adel
als privilegirter Stand in der Erbmonarchie wesentlich, noth—
wendig, nützlich sei? ob er in den gegenwärtigen Zuständen möglich
sei, in welcher Art, unter welchen Bedingungen.
Montesquieu (L. II. Ch. 4.) lehrt: »La Noblesse entre en quelque
açon dans 'essence de la Monarchie, dont la maximeé fondamentale est:
point de monarque point de nobhlesse: point de noblesse
oint de wonarque, mais ona un despote.« Gewisse Leute wissen
zar wohl daß er Recht hat; sie wollen point de noblesse, wohl wissend, daß
dann die royauts sich nicht lange behaupten wird. Wir untersuchen, ob der
Adel für die Erbmonarchie — deren Erhaltung vorausgesetzt — wesentlich sei
xar ιöοσαοαOν). Wem die Autorität Montesquieu's nicht genügt, den ver⸗
weisen wir auf die Gründe, welche er angibt (a. a. O. u. L. V. Ch. 9. VIII.
Ch. 9.). Seine Theorie erhält eine factische Bestätigung durch die Schilderung
der socialen Zustände Frankreichs bei Raudot, welcher nachweist, daß der
Absolutismus in Frankreich vor der Revolution in Wirklichkeit auf mannich—
'altige Weise beschränkt und gemildert war, wobei denn eben auch die Stellung
des Adels von großem Einflusse war. Raudot, La —
lion. L. J. Ch. 2.). Ein moderner Publicist, bekannt als entschiedener Liberaler

*) Giambattista Vico, Boulainvilliers, Duboz, die gründlichen Darstellungen von
dhierrh, Ginhet, die einfeitigen Darstellungen von Mablun Mortlosier, das fleitige Wert von
Molle. de Lezardinie, die gelehrten und scharfsinnigen Forschungen und Systeme der Deut—
chen: Eichhorn, Savigny, Grimm, Hüllmann, Zopfel, Schmitthenner, Joh. von Müller,
Bluntschli, Segesser u. A. m.