8. Die Monarchie.

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cieen und Tendenzen“), welche das Decret der französischen Constituante vom
19. Mai 1790 etzeugt hatten. Bei der Bewegung von 1848 wurde die Exi⸗
stenz des Adels in Frage gestellt. Am 11. August ˖wurde in der Paulskirche
über den Vorschlag von Wigard, Blum, Simon, Schüler discutirt,
welcher lautete: „Alle Standesprivilegien, so wie der Adel, sind aufgeho—
hoben.“ Robert Mohl eröffnete die Verhandlung mit einer ziemlich bittern
Rede, welche nicht bloß die Aufhebung der Privilegien, sondern die Abschaf⸗
sung des Standes verlangte; sein Vortrag schmeckt ziemlich nach der Schule
und hat das Gepräge eines kalten Catheder⸗Enthustasmus, nicht ohne persön⸗
liche Abneigung und Empfindlichkeit durchblicken zu lassen. Am bittersten, fast
wüthend, sprach Oelsner. Unter den Rednern, welche für den Adel spra—
hen, erwähnen wir den biedern Arndt, welcher sagte: „Ich, ein alter Ple⸗
hejer, habe seit lange gegen die Mißbräuche des Adels gekämpft; aber ich will
aun für den Adel sprechen mit tiefem Gefühle. Denn anders kann man
freilich nicht vom Adel sprechen. Ich bin der Ansicht, daß die Standespri—
vilegien aufgehoben werden sollen; aber etwas Anderes ist es mit der Auf⸗
hebung der idealen Gefühle, der idealen Bilder. Diese soll man dem
Adel lassen. Es ist ein heiliges Gefühl des Menschengeschlechtes auf seine
Ahnen zurück zu blicken. .... Die Privilegien wollen wir entfernen, aber die
historischen Namen wollen wir fortbestehen lassen, ste sind mit unserer Geschichte
berwachsen, bilden einen Theil ihres Glanzes.“ — Kräftig der Fürst Lich⸗
nowski, welcher offen erklärte, daß er pro domo spreche und den Titelmör—
dern harte Wahrheiten ins Gesicht schleuderte, was ihn später zum Opfer
demokratischer Cannibalen machte. Beseler, welcher als Berichterstatter die
Berathung schloß, erklärte, daß er sich durch das Geschrei einer Parthei nicht
einschuchtern lasse; er erinnerte an den französischen Adel, welcher in der Nacht
bom 4. August 17809 seine Vorrechte aufopferte, aber von dem Augenblicke eine
feindselige Stellung annahm als er seiner socialen Auszeichnung beraubt wurde.
Beinahe einstimmig wurden die ersten Sätze des Antrages angenommen: „Alle
Deutschen sind gleich vor dem Gesetze, Standesprivilegien finden nicht statt.“
Der Zusatz: „der Adel selbst ist aufgehoben“ wurde mit 282: 167
Stimmen verworfen. Es lag nicht an einigen gelehrten Männern, daß nicht
die ganze französische Tragikomödie der Gleichheitswuth und des Gedächtniß⸗
mordes im Namen deutscher Nation nachgespielt wurde.
Wir haben in dem Vorhergehenden die Gründe für und wider die An⸗
erkennung des Adelstandes in der Monarchie besprochen, ohne die Definition

*) Wir koͤnnen leider den so tief denkenden und oft sich als objectiv bewaͤhrenden Rot⸗
teck nicht freisprechen von einem bittern Groll gegen den Adel, welcher sich in seinen Schriften
zielfach kund gibt. S. Allgem. Staatslehre od 62. 92. Man kann sich der Vermuthung nicht
erwehren, daß der Grund dieses Hasses viychologisch in subiectiven Eindrücken zu suchen sei.