180 Die formale Politik oder Verfassungslehre.
havresac le bâton de Maréchal) und ob nicht die französischen Offiziere, be⸗
sonders die jüngern, eine gewisse Antipathie nähren gegen die Pequins, nur
daß ste als Franzosen dieselbe weniger abstoßend kund geben?
Der Geburts- und Militäradel bildet die Hauptmasse des Con—
tinentaladels. Neben demselben snohlesse d'épée) gibt es noch einen Civil—
adel (noblesse de robe), einen Briefadel und den gekauften Adel.
In Frankreich hatte die noblesss de robe, die Patricier, die Magistratur,
ebenfalls den Charakter eines Geburtsadels angenommen und die Ebenbürtigkeit
erlangt mit dem Feudaladel und der noblesse d'épée, durch das eigenthümliche
Instimut der vénalite des charges, wovon die Folge war, daß die höhern
Richterstellen sich vererbten und die Magistrate dem Hofe gegenüber eine
Selbstständigkeit besaßen, welche sie bei eclatanten Gelegenheiten unter dem
Beifall der öffentlichen Meinung behaupteten. Die strenge sittliche Disciplin,
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ten die Achtung, welche sie genossen. So kam es, daß beide Classen ziem—
lich verschmolzen, wenn auch der duc oder marquis immer noch eine ge—
wisse Superiorität über den Sohn eines Canzlers oder Parlamentsrathes be—
hauptete.
Es ist immer als ein Recht souveräner Fürsten betrachtet worden,
ausgezeichnete Verdienste durch Ordensverleihungen, Ertheilung von Ehren⸗
titeln und Erhöhung von Bürgerlichen in den Adelstand zu beloh—
nen. Daß von diesem Rechte oft aus Hofgunst Mißbrauch gemacht und der
König getäuscht wurde, hebt die Nützlichkeit des Instituts nicht auf. Liegt doch
eben darin die Anerkennung, daß der Zufall der Geburt das Verdienst auch
außer den Reihen des Geburtsadels nicht ausschließt, daß Jedem die Aussicht
offen ist sich in die Classe der Adlichen empor zu schwingen. Ist die gar nicht
seltene oft recht glückliche Anwendung dieser Prärogative nicht eine Huldigung,
welche dem Princip der natürlichen Gleichheit dargebracht wird? Zugleich
aber ist in der Monarchie dieses Recht des Fürsten ein Regierungsmittel, um
Capacitäten und Verdienste an das monarchische Princip zu fesseln, die Kluft
wischen den Ständen zu ebnen und dem Adelstand frische Elemente und Kräfte
zuzuführen. Es ist kleinlich Diejenigen anzufechten, welche solche Auszeichnun⸗
gen dankbar annehmen, da für Viele sehr reelle Vortheile — und wäre es auch
nur hinsichtlich der socialen Stellung — damit verbunden sind. Ebensowenig
sind Diejenigen zu tadeln, welche aus Selbstgefühl oder Grundsätzen darauf
oerzichten.
Am wenigsten rechtfertigt sich der Verkauf von Adelsdiplomen.
Dieses elende Mittel Geld zu machen erniedrigt das Ansehen der Füursten und
ist eine Herabwürdigung des Adelstandes. Unter der Regierung einer Pom⸗
padour und Dubarri begreift man auch dieses, und bei einer leichtstnnigen