8. Die Monarchie.

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Damit war die kluge Politik verbunden, die Schranken der Gewalt des Staats⸗
oberhauptes unbestimmt zu lassen, um dieselbe nach Belieben ausdehnen zu kön⸗
nen. Ohne Zweifel hatte Napoleon die lmperatores des alten Roms vor
Augen, welche ihre Herrschaft auf das Recht des Stärkern, auf den unbedingten
Gehorsam ihrer Prätorianer und Legionen stützten, und dabei die äußern For⸗
men der Republik beibehielten, indem sie alle Würden und Competenzen in
ihrer Person cumulirten und sich mit einem servilen, aus niedrigen Persönlich⸗
keiten recrutirten Senat umgaben, nachdem die charakterfesten Republikaner
und gefährliche Notabilitäten proscribirt oder massacrirt waren. Im vollen
Bewußtsein, daß ihre Gewalt eine usurpirte sei, suchten Napoleon und sein
Nachfolger dieselbe durch Plebiscite sanctioniren zu lassen. Das erste Mal war
nicht schwer die Stimme der immensen Mehrheit des Volkes zu erhalten, wel⸗
ches der Blutscenen und der Scandale der Revolution satt und willig war die
Wiederherstellung der gesellschaftlichen Ordnung, der Sicherheit der Person
und des Eigenthums auch um den Preis der politischen Freiheit zu erkaufen
und bei der Abstimmung mit Ja oder Nein nur die Alternative hatte durch
Verwerfung, wozu jedenfalls ein Grad moralischen Muthes erfordert wurde,
die revolutionären Uebel zu verlängern, oder den Retter, welcher sich mit dem
Schwerte in der Hand darbot, zu acceptiren, zumal derselbe den Besitz der
sogenannten Nationalgüter, die Freiheit von Zehnten und Reallasten garan⸗
tirte, der Leidenschaft für Rechtsgleichheit, wenigstens im Anfang schmeichelte
und das von Vielen gefürchtete Gespenst einer Restauration des ancien régime
bannte. Das Plebiscit von 1852 kam auf ähnliche Weise zu Stande, nur daß
der neue Candidat den Mangel an Kriegsruhm und jenem höhern Genie,
welches man dem ersten Empereur nicht bestreiten kann, durch Anwendung
aller Mittel der Einschüchterung, der Bethörung, der Fälschung und durch
Willkür und Schreckensherrschaft gegen jede Opposition zu ersetzen wußte “).
Dabei kamen ihm zu statten bei den Mittelclassen die erneuerten Scenen der

ax) Mit dem ernsten Bestreben in diesem wissenschaftlichen Werke möglichst objectiv zu sein,
können wir nicht vermeiden in diesem Abschnitte das Persönliche ans Licht zu ziehen, weil der
Imperialismus seinem Wesen nach ein ganz persönliches System ist, während in den ständi—
schen Monarchieen die Person des Fürsten nicht einmal mit dem monarchischen Princip identisch
ist, welches er repräseutirt, das sich aber auf eine ganze Parthei stützt. Mit Stillschweigen
dürfte der Imperialismus nicht übergangen werden, da er eine der bedeutsamsten Gestaltungen
der Monarchie ist, in dem enropäischen Staatensystem eine wichtige Rolle spielt und nicht bloß
in Frankreich schon zweimal die Staatsgewalt an sich gerissen hat, sondern anch anderwärts
kriumphiren könnte, wenn politischer Egoismus, Radicalismus, Anarchie, Materialismus,
parlamentarische Mißregierung den Boden dazu vorbereiten. Im übrigen ist es leicht die fol⸗
gende Darstellung durch eine Menge von Zeugnissen zu rechtfertigen. Wir berufen uns zunächst
auf Benjamin Constant, De l'esprit de conquôte et d'usurpation, im Ganzen und
speciell auf die Chap. J. et II. ajoutés à la 4. Edition.