Neuntes Buch.
Die Republiken.

dIl. Sprachliche Pemerkung.
Der Gebrauch des Namens Republik zu Bezeichnung der aristokrati⸗
schen und der demokratischen Staatsform im Gegensatze der Monarchie ist dem
classischen Latein fremd. Res puhliea bedeutete bei den Römern nach der
Etymologie des Wortes nicht eine Staatsform, sondern das gemeine We—
sen (res) die ö—ffentlichen Angelegenheiten, und konnte daher sowohl
auf die Zustände und die Verwaltung einer Monarchie als eines Freistaates be—
zogen werden. Tacit. Annal. IV. 33. »Cunctas nationes et urhes populus,
aut primores, aut singuli regunt; dolecta ex his et consociata Rei publicae
forma, laudari facilius, quam evenire, vel, si evenit, haud diuturna esse pobest.
 « Cic. de Rep. »Statuo esse optime constitutam rem publicam, quae
ox tribus illis regali, optumo et populari modice confusa.« Noch im spätern
Mittelalter und im 15. und 17. Jahrhundert wurde das Wort in diesem Sinne
angewendet. »Jo ne reconnais pas (sagt Lanjuinais, Traité de la Charte
L. I. Ch. 1.) la république pour une forme ꝓarticulière de gouvernement:
o'est un nom qui convient à tous les gouvernemens simples ou mixtes, que
nous avons appelés nationaux ou de droit commun. Sous nos rois on disait
la république pour la Fra nce.« Die Römer gebrauchten, um einen Frei⸗
staat im Gegensatze der Monarchie zu bezeichnen, den Ausdruck civitas (d. h.
universitas civium, griechisch 6d08). Indeß begreift man leicht, wie der
Name Republik nach dem modernen Sprachgebrauche allmählich die specifi⸗—
sche Bezeichnung der polyarchischen Staaten würde. Einerseits gebrach es an
einem andern Worte zur speciellen Bezeichnung dieser Staatsform im Gegen⸗
satze der Monarchie. Anderseits erlangte dieser Name eine specielle Bedeutung
zur prägnanten Bezeichnung nichtmonarchischer Staaten, worauf das politische
Selbstgefühl der Bürger stolz war, weil im Mittelalter die meisten Einzelherr⸗
schaften geschichtlich sich als Patrimonialstaaten oder Feudalstaaten entwickelten,
deren Fürsten im Sinn des Restaurator Haller's die Interessen ihres Staates
nicht als öffentliche Angelegenheiten (res publica) gelten lassen wollten, sondern