9. Die Republiken.

343

linie zu bestimmen, welche die Monarchie von der Republik unterscheidet, ge⸗—
schweige die Arten und Ausartungen der Republik nach allgemeinen Kennzeichen
zu beschreiben, so daß als praktisches Resultat angenommen werden kann, für
Staaten von größerem Gebietsumfange und bedeutendem Wohlstande sei die
beschränkte Monarchie die angemessenste Staatsform.
In der Lehre von der constitutionellen Monarchie B. VIII. 0 11-14, ist
an verschiedenen Stellen Manches erörtert, was auch auf die repräsentative De—
mokratie Anwendung findet, wie z. B. das allgemeine Stimmrecht, die Bedin—
—V
präsentation, directe und indirecte Wahlen, Integral- und Partial-Erneuerung,
die Initiative, öffentliche und geheime Stimmgebung. Der Abschnitt von der
Geschäftsordnung 80 2226. ist beinahe durchweg auch auf die repräsentative
Demokratie oder auf aristokratische Senate anwendbar.

3. Die Idee und die Vorzüge der Republisi.
Der Verfasser dieses Handbuches, in einer Republik geboren, könnte nur
mit Seelenschmerz der Möglichkeit gedenken, sein Vaterland in die Provinz
einer Monarchie verwandelt oder als Mittelstaat einem Fürsten unterworfen zu
sehen. Sein Gefühl, das er mit der Muttermilch eingesogen, sträubt sich da—
gegen: wie das Heimweh nach der Alpenluft beherrscht ihn das Bedürfniß der
republikanischen Atmosphäre trotz aller Mängel, Gebrechen und bittern Erleb—
nissen, welche er in derselben wahrgenommen und empfunden hat. Daß auch
die Angehörigen monarchischer Staaten aus den gebildeten Ständen sich die
—WD0
höchsten geistigen Entwickelung vorstellen, dafür sorgte die s. g. classische Bil—
dung, welche Athen, Sparta und Rom der, Jugend, welche die Wirklichkeit
praktischer Verhältnisse und Nothwendigkeiten nicht kennt, in dem poetischen
Lichte einseitiger Darstellung vormalte. Trat der Jüngling in das wirkliche
Leben, so wurde er durch grelle Gebrechen und Uebelstände, durch Schroffheiten
des Kastenunterschiedes und fürstliche Willkürherrschaft, wie sie vor den Re—
—
kanischem Leben bestärkt, wenn er auch diese Sehnsucht als Traum und den
Gegenstand als unerreichbar betrachtete. Mehr praktische Bedeutung erhielt
diese Geistesrichtung durch die Unabhängigkeitserklärung der brittischen Colo—
nieen in Nordamerika, den wirthschaftlichen Aufschwung und die günstigen
Nachrichten über den Zustand derselben, wobei die ganz speciellen Ursachen jener
Entwickelung und die im Keime von Anfang vorhandenen, später immer mehr
hervorgetretenen Schattenseiten des dortigen politischen und socialen Lebens