9. Die Republiken.

359

werden: zugleich aber bestreitet er, daß die Nation, wie viele ihrer eigenen Publi⸗
risten behaupten, unfähig sei, ihre Angelegenheiten selbst zu verwalten, oder
daß zwischen romanischen und germanischen Bevölkerungen ein wesentlicher Un⸗
—DVD betrachtet die Unfähigkeit
der Franzosen zu politischer Freiheit, wie sie die neuere Geschichte zeigt, als die
Wirkung politischer Verbildung und falscher Maximen der Staatsverwaltung,
welche allerdings die Nation für die Gegenwart unfähig machen die volle Frei⸗
heit zu erlangen und eine Erziehung dazu während längerer Zeit erfordern. Er
will Decentralisation, eine Volkskammer, einen Senat und einen Monarchen
als Chef der vollziehenden Gewalt und als Repräsentanten des Staates gegen
das Ausland. Die ganze Schrift ist im besten Sinne.
England werden die festländischen Republikaner demokratischen Geistes
nicht als Beweis der Möglichkeit der Republik in einem größern Staate an⸗
führen wollen. Denn einerseits ist England nicht eine Republik im Sinne der
französtschen oder deutschen Demokraten, sondern eine Aristokratie, welche die
internationale, die legislative, administrative und richterliche Gewalt in den
gleichen Haͤnden vereinigt, gemäßigt durch gewisse der Demokratie vergönnte
Illusionen und die Schwurgerichte: von der Möglichkeit einer solchen Aristo⸗
kratie kann auf die Möglichkeit einer demokratischen Republik nicht geschlossen
werden. Anderseits beruht die politische Freiheit in England auf Bedingungen
und Naturverhältnissen, welche auf dem Continente, besonders in dieser Ver⸗
bindung nicht vorhanden sind. Eine geschichtliche Entwickelung, an welcher
Jahrhunderte und Generationen gearbeitet haben in heißen Kämpfen, sowohl
mit Waffen als im Parlamente, nicht mit politischen Theorieen und abstracten
Sätzen, sondern unter steter Anrufung hergebrachter Rechte und strengem Fest—
halten an Präcedentien zu Verhütung der Willkür. Von entscheidendem Ein⸗
flusse ist die insularische Lage und die damit verbundene maritime Präponde—
ranz, welche ein zahlreiches stehendes Heer entbehrlich machen. Diese insula⸗
rische Lage, der dadurch ermöglichte Welthandel und die reichen mineralischen
Schätze des Landes haben der Thätigkeit und dem Sinne des Volkes die Rich⸗
tung auf die Industrie und das Positive gegeben, und reichliche Mittel ver⸗
schafft, um die politischen Institute im Innern und den politischen Einfluß im
Auslande zu erhalten.
Wir wären geneigt, der spanischen Nation die Fähigkeit zuzutrauen, einen
republikanischen Bundesstaat oder Staatenbund zu gründen (S. oben B. VIII.
10. p. 188). Dieses excentrische, aber hochherzige Volk hat während des
siebenjaͤhrigen Kampfes gegen Napoleon ohne Koönig unter Leitung eines Na⸗
tional⸗Congresses bewiesen, daß es der standhaftesten Aufopferung für seine
Nationalunabhängigkeit fähig ist. Auch später haben die entgegengesetzten
Partheien, besonders die Republikaner eine Gesinnungstreue und Hingebung