9. Die Republiken.
Einfluß. Eine solche Theilnahme des Volkes an der Verwaltung der gewöhn⸗
lichen Geschäfte erzeugt bei demselben immer ein hohes Selbstgefühl und ent⸗
schiedene Abneigung gegen Alles, was darauf abzielt ihm den wichtigsten Theil
seines Einflusses zu rauben.
Wenn noch etwas mangelte die nothwendigen Wirkungen der politischen
Organisation zu verstärken, so geschah dieses durch die Religion. Religion,
diese Quelle moralischer Kraft, ist bei diesem neuen Volke noch nicht erloschen
oder abgeschwächt, und das Princip ihrer Gottesverehrung belebt ganz beson—
ders diesen Freiheitssinn. Sie sind Protestanten, und zwar Protestanten von
der Gattung, welche jede blinde Unterwürfigkeit des Geistes und Glaubens aufs
entschiedenste verwirft: Diese Geistesrichtung ist nicht bloß der Freiheit günstig,
sondern entspringt aus der Freiheit. Ich glaube, daß die Ursache dieser Abnei—
zung der dissentirenden Kirchen weniger in dem Glaubensbekenntniß derselben
als in der Geschichte zu finden ist. Die katholische Kirche ist älter als die Re⸗
zierungen aller derjenigen Staaten, wo sie sich behauptet; ste ging Hand in
Hand mit denselben und verdankt der politischen Autorität große Vortheile und
Unterstützung jeder Art. Auch die anglicanische Kirche ist von der Wiege durch
die Sorgfalt der Staatsgewalt gepflegt worden. Aber die dissentirenden Be—
kenntnisse haben sich erhoben im Kampfe gegen alle bestehenden Gewalten, und
konnten ihre Selbstständigkeit nur ansprechen durch kraftvolle Berufung auf die
—EDDD bedingt durch die muthige und
zeharrliche Behauptung dieser Freiheit. Aller Protestantismus, auch der käl⸗
teste, kraftloseste ist seinem Wesen nach eine Art Dissent. Aber der Glaube,
welcher in unsern nördlichen Colonieen der vorherrschende ist, ist eine Potenzi⸗
rung des Widerstrebens gegen hierarchische Gewalt; er ist das Mißtrauen des
Dissents, der Protestantismus in der protestantischen Religion. Diese Religion,
unter mancherlei verschiedenen Secten-Namen, welche unter sich nur den Geist
der Freiheit gemein haben, herrscht in den meisten nördlichen Provinzen, wo
die anglicanische Kirche, mit allen ihr gesetzlich zustaͤndigen Rechten, doch in
Wirklichkeit auch nur eine Secte ist, welche nicht den zehnten Theil der Bevöl⸗
kerung begreift. Die Colonisten wanderten aus zur Zeit, wo dieser Geist in
England am eifrigsten war; die Auswanderer waren die Eifrigsten unter Allen.
Auch die Mehrzahl von Einwanderern aus fremden Ländern, welche beständig
in die Colonieen zuströmten, bestand aus solchen, welche von den kirchlichen Ord⸗
aungen ihrer Heimathsstaaten dissentirten, und brachten mit sich eine Stim⸗
mung und einen Charakter, welcher mit demjenigen des Volkes, dem sie sich
assimilirten, verwandt war. Ich merke, daß einige Mitglieder des Hauses die
allgemeine Gültigkeit dieser Schilderung bestreiten, weil die anglicanische Kirche
in den südlichen Provinzen zahlreiche Bekenner hat und als öffentliche Kirche
anerkannt ist. Dies ist allerdings wahr. Aber bei diesen Colonieen tritt ein

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