9. Die Republiken.
wunderer als Illufsionen enthüllen werde. Kurz das Buch darf ungeachtet der
Jerügten Excentricitäten denjenigen empfohlen werden, welchen es mehr um con⸗
radictorische Erörterung der höchsten Interessen der Menschheit als um ober⸗
laächliches Nachbeten trivialer Vorstellungen zu thun ist.
So wenig wir aber für die amerikanischen Zustände in socialer Hinsicht
eingenommen sind, steht dagegen unsere Ueberzeugung fest, daß ungeachtet des
finanziellen Nothstandes, in welchen die Union in Folge des Bürgerkrieges ge—
rathen ist, die weitere Entwickelung des materiellen Wohlstandes der Bevölke⸗
cung derselben auch für die Zukunft durch die Hülfsquellen gesichert ist, welche
diese immensen Gebiete und die physikalischen Beschaffenheiten derselben ent—
halten.
Allerdings hat sich die finanzielle Lage der V. St. in diesen letzten Jahren
des Bürgerkrieges auf eine Weise zum Nachtheil verändert und es ist ein enor⸗
nes Deficit und eine Staatsschuld aufgelaufen, welche nach dem Maßstabe
europäischer Continentalstaaten den Staatsbankerott als unausweichlich und
tiefe Erschütterung des allgemeinen Wohlstandes als nothwendige Folgen be⸗
fürchten ließe. Was nun den Staatsbankerott betrifft, so ist zu gewärtigen, ob
die amerikanische Redlichkeit ihren Gläubigern dieses wohlfeile Zahlungsmittel
octroyiren wird, was zum Theil wohl von dem Charakter der Gewalthaber,
welche dieselben sein werden, und den ferneren politischen Entwickelungen oder
Katastrophen abhängen wird. Die gegenwärtige Finanzlage und die Steuer⸗
last, welche durch diese gebracht wurde, an sich und in Vergleichung mit frühern
Zuftänden, kann mit wenigen Strichen skizzirt werden. Wir haben im d 23
eine Uebersicht der Finanzgeschichte (nach Gottard) gegeben, welche zeigt, daß
bis zu der Trennung der Südstaaten die Eingangszölle Mo der Bundeseinnah⸗
men lieferten, daß diese von 1791 sich im Ganzen auf 844 Millionen Dollars
beliefen, wozu die directen Abgaben bloß 1173 Millionen, die Zölle beinahe
5300 Mill. lieferten, die Staatsländereien 40,627 M. In Folge eines Com⸗
promisses mit den Südstaaten wurde die Zolleinnahme ermäßigt, aber 1846
wieder auf die Jahreseinnahme von 82 Millionen gesteigert. Nach der Auf—
lehnung der Südstaaten erkannte man die Nothwendigkeit das Steuerwesen
auf einen andern Fuß zu bringen; man hoffte durch einen neuen Zolltarif
die Eingangsgebühren auf 70 M. zu steigern und der Finanzminister Chase
zlaubte durch die Steuern aller Art, an welche die Amerikaner bisher nicht ge⸗
vöhnt waren, 150 M. zu erhalten und mit diesen Einnahmen einen Theil der
Kriegsausgaben und die Interessen der immer mehr anschwellenden Staats⸗
schuld zu decken *). Wir entlehnen Gottard folgende weitere Data: Unter dem

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*) Nach allerneuesten Angaben der New-Norker Shipping and commereisl List haben
die Cinnahmen von Zöllen und Internol Revue den Ertrag, welchen Chase berechnete, nicht