9. Die Republiken.
renden Widersprüchen über den Sinn der constitutionellen Bestimmungen und
der geringen Achtung für gesetzliche Ordnung möglich waren. Die Unpar—
cheilichkeit gebietet zu gestehen, daß die Schuld nicht ausschließlich die eine Par—
hei trifft, sondern daß auch auf Seite der Abolitionisten Staatenbehörden und
Massen sich der Auflehnung gegen die Autorität des Bundes und Gewaltthä⸗
igkeiten mit gewaffneter Hand schuldig machten, so daß bereits 1856 auswär⸗
ige befaͤhigte Beobachter die Scisston voraussahen. Gemäßigte Freunde der
Abolition strebten durch Uebergangsbestimmungen und Entschädigung der Skla—
oenbesitzer die Union zu retten. Im Jahre 1857 schlug eine in Cleveland ver—
anstaltete Versammlung vor, alljährlich den Ueberschuß der Staatseinnahme
des Bundes zum Loskauf von Sklaven zu verwenden; aber der New-NYork He—
rald verwies diesen Plan zu den Utopien Fourier's, indem er behauptete, der
Loskauf der 35. Millionen Sklaven, welche die Südstaaten besitzen, würde
nach den currenten Preisen auf 2 Milliarden Dollars zu stehen kommen. Was
nun seit 1861 sich ereignet hat, ist allgemein bekannt; wir überlassen es der
Tagesgeschichte, und bemerken schließlich, daß die Frage nicht ist, ob das Klima
der Südstaaten für die Betreibung dortiger Cultur einen Menschenschlag for⸗
dert, welcher dasselbe eher als die Weißen erträgt, was auch durch freie Arbei—
—D
lung der Union nach ihrem frühern Umfange — was wir aber im allgemeinen
Interesse anderer Staaten keineswegs für nothwendig halten — davon abhängt,
ob bei den Föderirten das rücksichtslose System der Fremont und Butlar oder
das gemäßigtere der Lincoln und Seward triumphirt.
Es übrigt noch die nationalökonomischen Folgen der Emancipation für die
Colonieen zu besprechen. Bekanntlich waren die Einwände der Unbefangenen
darauf gegründet, daß durch die Emancipation die Production und die Ausfuhr
der Pflanzerstaaten werde ruinirt werden, da die emancipirten Neger höchstens
so viel würden arbeiten wollen, als nöthig, um ihre absoluten Bedürfnisse zu
befriedigen, und durch die Arbeitslöhne das Product vertheuert und der Absatz
dermindert werde. Wirklich haben diese Befürchtungen sich in den englischen
und französischen Colonieen in der ersten Periode nach der Emancipation als
gegründet erwiesen. Vor der Emancipation wurden in Westindien 3,640,000
Ctur. Zucker producirt, während der Uebergangszeit sapprentissage) 3,480,000
Ctur., nach der Emancipation 2,600, 000 Ctnr.; aber im Jahre 1848 ist die
Production wieder auf 3,795,311 und 1858 auf 3,499,791 Ctnr. gestiegen.
Dieses glückliche Resultat ist freilich großentheils Ursachen zu verdanken, welche
außer der Emancipation liegen, dem Siege der Freihandelstheorie über das
Protectionssystem, welches den Colonieen vielfache Beschränkungen auflegte,
den Fortschritten der rationellen Cultur und der Technik; aber daß die Pflanzer
zurch die Nothwendigkeit der Verhältnisse und ihr Interesse angeregt wurden,

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