10. Von den Conföderationen. 547
stellung eines monarchischen Reichsoberhauptes Kaisers) und eine National⸗
repräsentation verlangt. Es ist nicht klar, ob der Herzog in dieser Weise das
Aufgehen Deutschlands in Preußen wieder anbahnen wollte oder durch schmei⸗
helnde Freunde zu persönlichem Ehrgeiz aufgestachelt wurde. Die Idee eines
einheitlichen Deutschlands scheint viele Anhänger zu haben, besonders unter den
Staatsmännern, Beamten und andern Aspiranten gewiffer kleinerer Staaten,
welchen der heimathliche Wirkungskreis zu enge ist und welche wünschen ihr
Licht auf einem größern Schauplatz leuchten zu lassen, wobei die Aussicht auf
maierielle Vortheile auch mit im Spiele sein mag. Soweit diese Richtung
darauf zielt, Preußen in Deutschland aufgehen zu lassen, hat schon
m August 1848 Graf Arnim Boyzenburg mit Energie und Klarheit die Be⸗
rechtigung Preußens nachgewiesen, sich einer solchen Unterordnung zu entziehen.
Aber ebenso entschieden hat Br. Buß (Die deutsche Einheit und die Preußen⸗
liebe. Stuttgart 1849) im August 1849 namens der großdeutschen Par—⸗
hei des Frankfurter Reichstages diejenigen bekämpft, welche Oesterreich vom
Bunde ausschließen wollen und die österreichische Regierung hat bei jeder Ge⸗
egenheit aufs kräftigste gegen die Absicht protestirt, welche dahin zielte Oester⸗
ceich, das frühere Kaiserhaus, vom Bunde auszuschließen. Es ist nur gerecht
zu erinnern, daß der König von Preußen, als er am 21. Maͤrz 1848 mit einer
nicht genug anerkannten Hingebung zur Beruhigung der aufgeregten Massen
in den Straßen Berlins erschien und mit dem Zurufe begrüßt wurde, „es lebe
der deutsche Kaiser“, unwillig antwortete: „Nicht doch, das will, das mag
ich nicht“, und beifügte: — ich trage Farben, die nicht mein sind (das National—
Symbol Schwarz⸗Roth⸗Gold), aber ich will nichts damit usurpiren; ich will
keine Krone, keine Herrschaft; ich will Deutschlands Freiheit, Deutschlands
Einheit, ich will Ordnung. Ich habe nur gethan, was in der deutschen Ge⸗
schichte schon oft geschehen ist, daß maͤchtige Fürsten und Herzöge, wenn die
Ordnung niedergetreten war, das Banner ergriffen und sich an die Spitze des
ganzen Volkes gestellt haben, und ich glaube, daß die Herzen der Fürsten mir
entgegenschlagen und der Wille des Volkes mich unterstützen werden.“ Die her—
aach verkündete Proclamation, welche als das Werk der constitutionellen Mi⸗
aister Schwerin, Auerswald, Arnim zu betrachten ist: sprach sich folgender—
maßen aus: — — mit Vertrauen spreche ich heute, im Augenblick, wo Deutsch⸗
land in höchster Gefahr schwebt, zu der deutschen Nation, unter deren edelste
Stämme mein Volk sich mit Stolz rechnen darf, Deutschland ist von innerer
Gährung ergriffen und kann durch äußere Gefahr von mehr als einer Seite be⸗
droht werden. Rettung aus dieser doppelten dringenden Gefahr
kann nur aus der innigsten Vereinigung der deutschen Fürsten und
Volker unter einer Leitung hervorgehen. Ich übernehme heute diese Leitung
für die Tage der Gefahr. — Ich habe heute die alten deutschen Farben
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