10. Von den Conföderationen. 549
Seite Oesterreichs, Baierns, Hannovers, Würtembergs und Nassau's bei dem
Cabinet in Berlin eingegeben wurden. Sie waren gegen eine preußische Er—
klärung vom 20. December 1861 gerichtet, welche eigentlich nur die Erwiede—
rung auf den Beust'schen Vorschlag war, und die Idee eines engern Bun—
des unter preußischer Hegemonie und eines weitern Bundes zwischen diesem
engern und Oesterreich befürwortete. In diesen Noten wurde Preußen der Ab—
sicht beschuldigt, die mittlern und kleinern Staaten Deutschlands
durch Waffengewalt zu mediatisiren; dabei wurde Preußen an die
1850 erlittene Demüthigung erinnert und als Axiom aufgestellt, daß Art. 11
der Bundesacte die Bildung eines engern Bundes GSonderbundes) nicht
zestatte. Auf diese Protestation (wozu jedoch das Ministerium Bismark
Veranlassung gegeben hatte, durch wiederholtes Pochen auf Anwendung mili—
ärischer Gewalt) erfolgte am 14. Februar 1862 eine heftige Note, welche der
preußische Geschäftsträger in Wien dem Grafen Rechberg übergab und in wel—
cher die Vorwürfe der identischen Noten als ungegründet und ungeziemend zu⸗
rückgewiesen wurden. In einer Note, welche der preußische Geschäftsträger in
Dresden am gleichen Tage übergab, wurde erklärt, daß Preußen fortan keinen
Theil nehmen werde an Verhandlungen, welche die Organisation einer kräfti⸗—
gen Executive und einer Nationalrepräsentation zum Zwecke hätten. Bekannt⸗
lich hat im Laufe des Jahres 1863 der Kaiser von Oesterreich einen Fürstentag
nach Frankfurt einberufen, um das große Nationalwerk der Bundesreform ein—
zuleiten: es ist ebenfalls bekannt, mit welch hoher Erwartung ein großer Theil
des deutschen Volkes diesen Congreß und seine Initiative begrüßte. Unglück—
icher Weise scheiterte dieser Versuch an dem beharrlichen Widerspruche Preußens,
welcher wesentlich dem Ministerium Bismark zuzuschreiben ist; später traten den
weitern Bestrebungen für Buündesreform die Mißverständnifse in den
Weg, welche die Angelegenheiten von Schleswig-Holstein zwischen den
deutschen Großmächten und den übrigen Bundesstaaten, den Cabineten und den
Bevölkerungen erzeugt haben, die indeß durch die großen von beiden Großmäch—
ten dem Nationalinteresse gebrachten Opfer und die Enthüllung der internatio⸗
nalen Verhältnisse gehoben sein dürften, wo nicht entschiedene Böswilligkeit
oorwaltet.
Wir freuen uns dem respectabeln Block einige Stellen seiner Schlußbe⸗
merkungen zu entlehnen: »La question de la résorme fédérale parait devoir
cester à Pordre du jour en Allemagne jusqu' à sa solution complète. Cotte
manière de voir s'appuie sur ce fait que les gouvernemens eux⸗momes
ont pris la direction du mouvement, bien que dans une certaine mesure
il fut dirige contre eux. — Voilà doncd toute PAllemogne en bravail d'enfantement
 politique. Divers projets ont déjà etèé présentes et aucun n'a
encore réuni assez de suffrages pour devenir une réalité. Personne n'en