10. Von den Conföderationen.
Ausschließung der österreichischen Gesammtmonarchie zu verlangen, für die
Machtstellung Deutschlands wichtig und mit seinen materiellen und Culturin⸗
teressen durch Geschichte und Rechtstitel aufs engste verbunden sind. Preußen
besitzt ebenso wie Oesterreich Provinzen, welche nach der Nationalität nicht
deutsch sind und in neuester Zeit ebenso wie die Magyaren centrifugale Ten⸗
denzen bethätigt haben und ein bedeutender Theil auch derjenigen Provinzen,
welche längst dem deutschen Bunde einverleibt sind, wurde erst seit Karl dem
Gr. germanisirt: Von Frantz ist in seinem schon citirten Buche über das
europäische Gleichgewicht) gezeigt, daß bei der gegenwärtigen politischen
Lage Europa's weder Oesterreich noch Preußen vermöchten gegen das Ausland
sich zu behaupten, wenn sie sich nicht mit dem übrigen Deutschland innig ver—
hünden. Friedrich Giehne Deutsche Zustände und Interessen, Stuttgart
1864) 9) trifft mit Frantz zusammen sowohl in der geschichtlichen Beweisführung,
daß die preußische Monarchie sich aus der sächsischen Mark und Oesterreich aus
der bairischen Mark entwickelt und die Mission haben deutsche Civilisation jenes
über die Weichsel, dieses in Pannonien und den Dongauländern auszubreiten,
und daß Deutschland nur in Verbindung mit beiden die nöthigen Kräfte ge⸗
winnt, um seine Selbstständigkeit zu behaupten und seine rechtmäßigen In⸗
teressen geltend zu machen. Was die Herstellung des europäischen Gleichge⸗
wichtes durch einen mächtigen deutschen Bund betrifft, so haben wir dieses im
Cll. Buche zu erörtern. Hier haben wir nur die Sicherung deutscher Selbst⸗
zändigkeit und deutscher Interessen ins Auge zu fassen.

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*) Das Buch von Giehne ist in mehr als einer Hinsicht beachtenswerth und ein schätzb arer
Beitrag zu einer erstarkenden achtnationalen Literatur, die sich von der Herrschaft der Koterie
des vulgären Liberalismus emancipirt und den Blick von dem parlamentarischen Hader auf wich⸗
igere Objecte lenkt. In dem einleitenden Abschnitte (der deutsche Nationalcharakter)
Jeißelt er den kosmopolitischen Geist einer Literatur, in welcher jede nationale Gesinnung ver—
nißt wird; er zeigt aber, daß nichts destoweniger der alte kräͤftige Nationalcharakter im Volke
fortlebt. Als Schweizer muß der Verfasser dieses Handbuches protestiren gegen das Uebelwol—
len, welches Giehne gegen die Eidgenossenschaft zeigt, indem er die von dem Wiener Congreß
— DDD deutschen Theile in seinem einseitigen Eifer gleichsam als einen
Raub an Deutschland betrachtet und sich leidenschaftlich ungerechte Ausfaͤlle gegen die Schweiz
Alanbt. Gewiß ist hier seine politische Auffafsung nicht nur einseitig, sondern kurzsichtig und
es waͤre leicht Gleiches mit Gleichem zu vergelten: aber wir stellen uns auf einen höhern Stand—
„unkt und entschuldigen diese Monomanie, welche durch ethnographische mühsame Forschungen
erzeugt zu sein scheint und der trefflichen Gesinnung, welche das Buch im Ganzen durchdringt
ind dem Reichthum interessanter Notizen aus der Zeit der Befreiungskriege, des Pariser Frie⸗
dens und des Wiener Congresses nichts von ihrem Werthe benimmt. Auch die ethnoaraphi⸗
schen Forschungen sind von historischem Interesse für den Liebhaber solcher Studien.