12, 2. Politik der auswärtigen Angelegenheiten. 619
Nichtsdestoweniger weist Laurent (im 2. Bde. la Grèceé) durch sorgfäl⸗
ige Citate nach, daß schon in jener Zeit, wo die Rhapsodieen der Iliade ent—
tanden, mitten in den Ausbrüchen kriegerischer Wuth edlere und mildere Ge⸗
fühle sich kund gaben (Iliad. XVIII. 98 ff. XIII. 337 ff. IX. 63 ff. XXIV.
22ff. u. s. w. Laurent, L. VII. Ch. III.). Hesiodus besingt den Cultus der Ge⸗
techtigkeit und bezeichnet den Krieg als Fluch der Menschheit. Aeschylus, der
bdegeisterte Sänger kriegerischen Heldenmuthes nimmt Lehren der Mäßigung
und der Friedensliebe auf. Sophokles ebenfalls im Philoctet und im Ajax;
seine Antigone ist der Ausdruck rührender Pietät; überall verdammt er das Un⸗
gerechte. Euripides lehrt die menschliche Gleichheit auch der Sklaven, Sym⸗
pathie mit allen Menschen und bezeichnet den Krieg als ein Uebel.
Nach den Dichtern bekannten sich die griechischen Philosophen (einige So—
phisten ausgenommen) zur Lehre der natürlichen die gesammte Menschheit um—
schlingenden Rechtsgemeinschaft; s. Laurent L. VII. Ch. II. Wir finden die
Principien und die moralische Sanction des V. R. in den Werken Cicero's
klar und mit Wärme ausgesprochen und eingeschärft de Legs. 1. 10. 22. II.
4. 14. III. 4. de Rep. I. 2. 13. III. 7. 8. de Finib. II. 14. 35. Tuscul. I. 14.
de Offic. I. 17. 23. 24. 41. II. II. 6. 11. 17. 23. 24. ad Quint. J. 4. 8.
Ticero ist in diesen Schriften nur das Echo der griechischen Philosophen; zu—⸗
gleich aber liegt in diesen Wiederholungen und der Wärme seiner Sprache der
Beweis, daß diese Sätze nicht bloße Speculation, sondern in die Ueberzeugung
der edelsten Hellenen und Römer aufgenommen waren. Der Boden war durch
diese Lehren der Weisheit vorbereitet, die Lehren einer alle Menschen als Brü—
der liebenden Moral und eines die gesammte Menschheit umschlingenden Rechts⸗
vereines aufzunehmen, als die frohe Botschaft (das Evangelium) diese Leh—
cen durch die Autorität des Gottessohnes allen Menschen als Gebot der Reli⸗
gion verkündete. Schließen wir diese Vertheidigung des Glanbens an die
ewige Gültigkeit eines natürlichen Rechtsgesetzes, welches auch die Staaten in
ihren wechselseitigen Beziehungen beherrschen soll mit der schönen Stelle aus
der Préface im 1. Bde. Laurents:
»Les peuples marchent vers une destination providentielle sous la loi
du progrès. Il y a un principe, qui régit la eréation entière, l'unité dans
la varièté, Pharmonie. Les hommes sont membres d'un grand corps,
Phumanité a une mission qui doit éêtre la mèême pour toutes les créatures
—0 Punité, la solidarité, la société humaino doit
arriver à une organisetion, une solidarile qui lui permette de remplir sa
Jestination. Mais il y a aussi dans Phumanité un élément de variéèté, les
qaations. Les nations ne sont pas un produit arhitraire et changeant de
temps et lieu. Ehles ont leur source en dieu, comme les individus. Chaun
 a son ministère dans la töche assignée au genre humain. Les peup-