12, 2. Politik der auswärtigen Angelegenheiten. 627
berletzen: Heffter, Das europ. Völkerrecht der Gegenwart, Einleit. 92. 932.
Mohl, Encycl. d. StWW. 8 59. 0) d) Julius Fröbel, Theorie der Po—
litik 2. Bd. 1864. Kap. 22. Kap. 23*). Schon der Jesuit Suarez hat ge—
lehrt: »Ratio juris gentium est, quia humanum genus, quam vis in varios
populos et regna divisum, semper habeat aliquam unitatem non solum
specificam, sed etiam quasi politicom et moralem, quam judicat morale
praeceptum mutui amoris eét misericordiae, quod ad omnes extenditur
etiam extraneos et cujuscunque nationis. Quapropter licet unaquaque
civitas persecta, respuhlica aut regnum sit in se communitas porfecta et
suis membris constans, nihilominus quaelibet illarum etiam membrum
aliquo modo hujus universi pront genus bumanum speclat. Numquam
hnim illas communitates adeo sunt sihi sufsicientes sigillatlim, quin indi⸗
geant aliquo mutuo juramine et sociotate ac communicatione interdum ad
melius esse majoremque utilitatom, interdum vero et ob moralem neces-Sitatem.
 Hac ergo ratione indigent aliquo jure quo dirigentur et recte ordinentur
 in hoc genere conmunicationis et societatis et quamvis magna
ox parte hoc fiat per rationem naturalem, non tamen sufficienter et immediate
 quoad omnia; ideoque potuerunt usu earumdem gentium introduci.«
Suarez, De Legibus et Deo legislatore II. 19.
Aus dieser höͤhern Auffassung der Staaten als einer idealen Einheit, welche
bon der Providenz Gortschritt) berufen ist, die Rechtssicherheit, die Wohl—
fahrt Aller und die Cultur zu erstreben, sind vielfache Thatsachen im Gebiete
des neuern Völkerrechtes entsprungen, das Streben, die Handelsstraßen der
zroßen schiffbaren Ströme, welche die Territorien mehrer Staaten berühren un—
ter völkerrechtlicher Garantie von den Verkehrshindernissen Monopole, Zölle,
Sperrung) immer mehr zu befreien, der Loskauf des Sundzolles durch gemein—
same Opfer, die Staatsverträge zu Abschaffung des Handels mit Negersklaven;
auf dieses Princip gestützt, haben die Seemächte gemeinschaftlich die abgeschlos—
senen Reiche China und Japan durch Waffengewalt genöthigt, sich dem Welt—
oerkehr mehr oder weniger zu öffnen; und obgleich dabei namentlich brittischer—
feits Cigennutz im Spiele und die Mittel nicht immer moralisch sauber waren,

*) Man würde irren, wenn man aus dem Titel dieses Werkes schließen wollte, daß sich
dasselbe im Gebiete der Speculation (Ideologie) bewege; namentlich ist dieser 2. Band der
praktischen Politik gewidmet. Zwar entwickelt (construirt) der Verfasser die Gesetze der
aatlichen Ordnung und Politik von einem hohen philosophischen Standpunkte; aber in den
Linzelheiten zeigt er sich als ein Mann, welcher mit Besonnenheit und Mäßigung die wirk⸗
ichen Verhäaͤltnisse prüft, erklaäͤrt und beurtheilt und mit politischem Scharfblick in die Zukunft
einzudringen sucht. Immerhin ist Theorie in seiner Behandlung, welche manche Thatfachen
nach einem System einseitig betrachtet und gewagte Weißagungen nicht ganz vermeidet. Im
Bauren ein treffliches, geistreiches und das Denken anregendes Buch.