12, 2. Politik der auswärtigen Angelegenheiten. 641
anzufachen und günstige Gelegenheit zu suchen, die imperialistische Eroberungs—
und Annexionspolitik zu verfolgen; — so ist es kaum zu vereinigen, wenn
Fröbel mit ähnlicher Unbestimmtheit die Revision der Karte von
Europa verlangt und die Verweigerung einer „Conferenz ad hoc“ gerechtfer⸗
tigt findet, und doch zu dem Schlusse kommt, daß ohne Bedingungen, welche
nicht in Aussicht stehen, nämlich Ausschluß von Rußland, freiwillige Verstän—
digung und die größten Opfer, welche vorzugsweise die mächtigsten Staaten
bringen müßten, der Congreß statt zum Frieden nur zum blutigsten Kriege füh—
ren müßte, S. 281 f. S. 297. Zu diesem Widerspruche paßt es denn auch,
wenn er behauptet, Oesterreich sei durch seine polnische Politik dem Programme
des frankfurter Fürstentages untreu geworden und dem russischen Interesse bei⸗
getreten, und bedauert, daß nicht die Wiederherstellung Polens durch das Zu⸗
sammengehen Oesterreichs, Frankreichs und Englands ermöglicht wurde, Ibid.
S. 294 f. nachdem er Kap. 9 das Nationalitätsprincip als eine haltlose Theo—
rie bezeichnet und ausgesprochen hat, die Nationalitätspolitik sei nur durch den
Erfolg und eigene Anstrengung zu rechtfertigen und Kap. 17 äußert: es könne
Frankreich mit der Wiederherstellung Polens nicht Ernst sein S. 260 f.
Unter diesen Umständen frägt sich nun, wie die Idee eines gesicherten
Gleichgewichtes für die Zukunft verwirklicht werden solle oder könne? Durch
eine Suite geometrischer Figuren will Fröbel beweisen, daß Frankreich sowohl
in dem engern Kreise der europäischen Staatengruppe, als in dem Verhältniß
zu den Weltmächten die Stelle des Centrums einnehme und durch diese Stel—
lung berufen sei, die Präponderanz —DD
er Rußland aus dem System der europäischen Politik ausschließen und dadurch
Oesterreich und Preußen an die östliche Grenze stellen. Die Ausschließung
Rußlands sucht er zu begründen bald durch Wachrufung der Russophobie oder
der Antipathie gegen die Maximen der russischen Staatsverwaltung, bald durch
Anpreisung der Aufgabe Rußlands, das astatische Hochland und das Amurge—
biet zu kolonisiren und civilistren: Die französische Präponderanz begünstigt
durch den Materialismus und die Zerfahrenheit Englands ist nach seiner An—
sicht keineswegs durch die persönliche Politik Louis Napoleons gegründet (welche
er jedoch sehr bewundert), sondern die Entwickelung der französischen Politik seit
— Auch der Imperialismus des Sutsrage
 universel, gegen welchen sich alle selbstständigen und freiheitliebenden
Franzosen trotz aller Fesseln der Presse, der parlamentarischen Redefreiheit, der
Wahlfreiheit und unter dem Damoklesschwerte der Lois de sureté mit Energie
und Bitterkeit erheben und welcher nun seit vierzehn Jahren die gebildeten und
denkenden Classen in dem Zustande der größten Erniedrigung und die Bauern
und Arbeiter und ihre Kinder durch Vernachlässigung der Volksschule in einem
Zustande der Unwissenheit hält, welche kaum in Rußland ihres gleichen findet,
Escher, Handb. d. prakt. Volitik. II