342 Materielle Politik.
ist ihm eine objective Nothwendigkeit, ein Compromiß zwischen der Revolution
und der staatlichen Ordnung. Mit diesem Imperialismus soll das fortschritt—
liche Oesterreich sich nach allen Erfahrungen der Wortbrüchigkeit und der Auf—
reizung der s. g. Nationalitäten, verständigen und abfinden, die Westmächte
unterstützen, um Rußland den Besitz von Konstantinopel zu wehren, Frankreich
das Protectorat über die deutschen Mittelstaaten einräumen, wobei Deutschland
— DDDDD Vereinigung von Deutschland
ebenso wenig als ein Groß-Preußen möglich und zulässig sei.
Ein dominirender Gedanke der fröbel'schen Theorie ist seine Auffassung des
menschheitlichen Fortschrittes und der Cultur als die Herrschaft des christlichen
Utilitarismus und der Realpolitik, welche die Religion (nach St. Si⸗
mon) in der Industrie und productiven Thätigkeit erblickt und die Aggregation
aller Kirchen und Confessionen zu gegenseitiger Toleranz und gemeinschaftlicher
Heiligung dieser productiven Realpolitik auffordert. Die Ursache dieses Fort⸗
schrittes findet Fröbel in der Entwickelung der europäischen Kolonieen in Ame—
rika, für welche die productive Thätigkeit Gesetz der Nothwendigkeit war, und
welche durch den Glanz des materiellen Aufschwunges und Verlockung von Mil—
lionen europäischer Uebersiedler aller Arten — Europamüder, Abenteurer,
Schwindler, politischer und anderer Flüchtlinge — auch auf Europa reagirt
haben. In dem politischen Weltsysteme nimmt Frankreich wie in Europa die
Centralstellung ein zwischen Rußland einer- und den V. St. anderseits, zwischen
dem Norden und Süden Amerika's. Die mexicanische Erpedition und die Oc—
troyirung eines österreichischen Erzherzogs als Kaiser von Mexico, deren schmutzige
Motive und verkehrte Berechnung kein Geheimniß sind, wird von Fröbel
a priori als nothwendig construirt zu der Dritttheilung Amerika's in Nordame—
rika, Südamerika und Centralamerika und als eine Wohlthat für die Mexica—
ner, welche dadurch mit der harten Schule einer anglo⸗amerikanischen Erziehung
oerschont bleiben sollen.
Wir anerkennen als vollständig begründet, was Fröbel sagt, über die
reactionäre Politik der h. Allianz, über die Lähmung Oesterreichs durch das
Metternich'sche Polizeiregime, über die kurzsichtige Großmachtspolitik Oesterreichs
und Preußens, und nehmen an, daß er durch die Furcht vor einer Rückkehr die—
ser antinationalen Politik und die Sorge für Befestigung freisinniger Institu—
lionen in Oesterreich zu jener Liebäugelei mit dem 2. December und zur Aus—
schließung von Rußland verleitet wurde. Wir theilen ebenfalls die Ansicht, daß
Rußland der ausschließliche Besitz Konstantinopels nicht zugestanden werden
dürfe und halten dafür, daß ein ethnographisch und kirchlich prädestinirtes by—
zantinisches Reich unter einem Kaiser russischer oder anderer Herkunft und die
Garantie seiner Selbststäͤndigkeit durch sämmtliche europäische Großmächte die
Aufgabe sei, wobei jeder der europäischen Handelsnationen ein Quartier unter