Materielle Politik.
feste Wohnsitze zu gewinnen, durch Berührung und Verkehr mit den römischen
Provinzialen zu besserer Regelung des Grundbesitzes und der Landwirthschaft
gelangten. Aber wahrlich der Popanz des von Rußland her drohenden Socia⸗
lismus ist ein an die Wand gemaltes Schreckbild.
Dagegen müssen wir mit Nachdruck erinnern, daß die Eroberungssucht und
das Streben nach der Universalmonarchie und Unterdrückung der Selbstständig—
keit aller Nationen keineswegs bei Louis Napoleon zufällig oder bloßes Mittel
zu Erreichung lobenswerther Zwecke, sondern die Nothwendigkeit und das Le—
bensprincip des französischen Imperialismus ist. S. dieses Handbuches
VIII. B. 8 29 und die daselbst S. 299. S. 301 citirten Werke von Benjamin
Constant und Thiers. Die macchiavellistische Vernichtung des politischen Gleich—
gewichtes durch Buonaparte als commandirender General, als Erster Consul
und während der ersten Periode des Kaiserreiches hat Genz nach den That—
sachen geschildert und die Folgen vorausgesagt in dem Buche: Fragmente
aus der neuesten Geschichte des politischen Gleichgewichts in
Europa. St. Petersburg 1806. Die spätere Entwickelung dieses Systemes
ist zu bekannt. Wenn ein Deutscher durch die Erniedrigung und Mißhandlung
seines Vaterlandes während der Periode von 1805—1813, nicht hinreichend
von jeder Befreundung mit dem Imperialismus zurückgehalten wird, so sollte
der letzte Rest sittlichen Gefühls empört werden durch die Erinnerung an die
scheußliche Mißhandlung der edeln spanischen Nation durch den gewissenlosen
Blutmenschen Napoleon (d'ogni dio sprezzatore, che ripone nella spada
sua legge e sua ragione). Für die Intelligenz, welche nicht erstorben ist für die
höhern geistigen Interessen der Menschheit, gibt es noch einen höhern Stand⸗
punkt, von welchem der Imperialismus als ein Dämon durch die Coalition
aller übrigen Nationen bekämpft werden muß. Frantz, Untersuchungen über
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rungen das Ziel seiner Politik, welches kein anderes war als Frankreich zum
Mittelpunkte der Nationen, zum Sitze der Herrschaft und zum Vorbilde aller
Civilisation zu erheben, in Paris das Leben Frankreichs zu centralisiren, alle
geistige und literarische Thätigkeit unter die Vormundschaft der französischen
Staatsmaschine, die Universität genannt, zu stellen und von seinem Cabinete
aus alles Denken zu leiten, oder vielmehr allein für Alle zu denken, und in Pa⸗
ris das Oberhaupt der katholischen Kirche mit goldenen Fesseln zum Werkzeuge
seiner Politik zu machen, um die Gewissen wie die Geister zu chloroformiren,
mit einem Worte, aller Freiheit und wahren Cultur das Grab zu bereiten. Daß
der Imperialismus des 2. Decembers die nothwendige Erneuerung dieser Ten—⸗
denzen ist, hat Frantz ibid. Kap. 6 klar gemacht. Wir kommen daher zu dem
der fröbel'schen Theorie entgegengesetzten Schlusse, daß das gesammte Deutsch—
land sich fest zusammenschließen muß, um mit andern selbstständigen Nationen

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