12, 2. Politik der auswärtigen Angelegenheiten. 645
das Gleichgewicht zu vertheidigen und die Wiederkehr aͤhnlicher Gefahren un—
nöglich zu machen.

10. Die Stessung Frankreichs zum europäischen gleichgewicht und die Theoris der
nafürslichen KHrenzen.

Der Imperialismus ist die maaßlose Eroberungssucht und der Todfeind des
politischen Gleichgewichtes. Aber auch als Republik oder als beschränkte Mo⸗
narchie ist Frankreich, so lange nicht seine innern Zustände wesentlich geändert
werden, eine aggressive Macht, welche das europäische Gleichgewicht mehr be⸗
droht als Rußland. Auf drei Seiten ist es gegen eine Invasion gedeckt durch
das Meer, die Pyrenäen und die in sich selbst versenkte Politik der spanischen
Nation. Auch die östliche Grenze ist zur Hälfte gesichert durch Nachbarstaaten,
oon welchen Frankreich nichts zu besorgen hat. Innerhalb dieser Grenzen be⸗
sitzt es nach den Völkerverträgen von 1815 ein abgerundetes Gebiet und eine
kriegerische Population von 37 Millionen, welche mehr als genügend ist, die
nordöstliche Grenze von mäßiger Ausdehnung zu vertheidigen, aber nur zu
leicht sich durch die Lockspeise der gloirs und der Ausplünderung anderer Laͤn⸗
der verleiten läßt. S. dies. Handb. II. B. 924. S. 93. § 25. S. 95. Wenn
der Imperialismus die absolute Staatseinheit und die Machtvollkommenheit
des Souveräns MAutokratie) durch die vollendete Centralisation der Staatsver⸗
waltung und strenge Bureaukratie auf den — XD
dennoch wahr, daß seit der Zeit der ersten Capetinger die königliche Gewalt und
ihre Einwirkung in alle Kreise des politischen und socialen Lebens sich in steti⸗
ger Progression verstärkt und bereits seit Richelieu und Ludwig XIV. die Selbst—
ständigkeit aller Stände und Provinzen geschwächt hat. S. oben VIII. B.
33. S. 325. 8 34. S. 235. S. 327. Mignet, Essai sur la formaon
 terriloriale et politique de la France depuis la sin du IX. Siècle
jusqu'à la fin du XV. in den Mémoires de l'Acad. des Sce. morales et pojit.
 2. vol. Dareste de la Chavanne, Hist. de l'administration en
prance. 2. vol. 1851. Raudot, La France avant la révolution 1830. Toc⸗
queville, L'ancien régime et la revolution 1856. Die Revolution hat be—
kanntlich auch die letzten Reste der Autonomie durch die Auflösung der ehemali—
zen Provinzen und die Parzellirung Frankreichs in Departements, ohne ge⸗
schichtliche Basis oder inneres Leben, vernichtet, und im Kampfe gegen die
Contrerevolution, die Vendee, die Girondisten und die europäische Coalition
das ganze Land unter die Schreckensherrschaft des Conventes und seiner Pro—
consuln gebeugt, so daß der Imperialismus die Centralisation und Bureaukra⸗
ie bereits vorfand und nur noch verstärkte, um sie für seine Willkürherrschaft
zu benutzen. Allerdings hat in neuester Zeit das Verlangen nach Decentralisa⸗