- 138 — der englischen Jurisprudenz, Völkerrecht sei zugleich englisches oder amerikanisches Landesrecht, nicht zu kennen scheinen. Ich finde weder bei Twiss noch bei Hall’), weder bei Wheaton?) noch bei Halleck oder Walker*) eine Spur davon, wenigstens nicht an den Stellen, wo man darauf zu stossen erwarten sollte. Noch bedeutsamer scheint es mir aber zu sein, dass sich auch englische Völkerrechtslehrer mit ganz oder vorwiegend natur- rechtlichen Vorstellungen, wie Bowyer‘%), Manning®) und Lorimer“®), über die Frage völlig ausschweigen; bedeutsam des- halb, weil, wie gleich zu zeigen, für das Aufkommen der in Rede stehenden Theorie naturrechtliche Anschauungen entscheidend gewesen sind. Dürfen wir hiernach behaupten, dass jene Doktrin keineswegs überall in der englischen und angloamerikanischen Jurisprudenz anzutreffen, so muss auf der andern Seite zugestanden werden, dass sie die dort herrschende ist. Besser vielleicht gesagt: nicht die Doktrin, aber der Satz, dass das Völkerrecht „@ part of the law of the land“ sei, findet sich an so zahlreichen Stellen in der Litteratur’) und vor allem der Judikatur®), daneben auch 1) Ihm ist freilich das Völkerrecht nicht ganz zweifellos positives Recht! Möglich, dass dies auf seine Anschauung von Einfluss ist. 2) Allerdings hat sich sein Herausgeher Boyd beeilt, das Versäumte nachzuholen. 3. ed, p. 27, 3) The Science of International Law. London 1593. 4) Commentaries on Universal Public Law. London 1854, p- 67foll. 5) Commentaries on the Law of Nations. 2. ed. by Amos. London 1875. 6) Institutes of the Law of Nations. Edinburgh u. London 1883. Lo- rimer ist freilich Schotte; er gehört deshalb vielleicht nicht hierher. 7) Vorläufig citire ich: Blackstone, Commentaries on the Laws of England, B. 6 ch. 6 (Stephen, New Commentaries 12. ed. London 1895. IV p- 188); Phillimore I p. 78; Amos, Systematic View of the Science of Jurisprudence, London 1872. p. 393; Maine, International Law. Lond. 1888. P- 44foll.; Holland, Law Quarterly Riview, IX p. 149; Kent, Commentaries on American Law. 14. ed. by Gould. Boston 1896. p.1; Rover, American Interstate Law. Chicago 1879. p. 6; Wharton, Treatise on the Conflict of Laws. 2. ed. Philadelphia 1881, p. 3. 8) Statt unendlich vieler nenne ich nur die Fälle Triquet v. Bath, Burrows Reports III p. 1480; Heathfield v. Chilton, ebenda. IV p. 2015; die „Helen“, Law Reports, Admiralty and Ecclesiastical Cases I p. 1; Lord Cole- ridge in seinem Votum im Falle R. v. Keyn, Law Reports, Exchequer Division ]I p. 153 foll.; Resp. v. De LongChamps, Dallaz’ Reports. I p. 114; die „Nereid‘“, Cranchs Reports. IX p. 423; Seton, Maitland & Co. v. Low, John- sons Reports. I p. 5; U. St. v, Smith, Wheatons Reports. V p. 153.