Entstehung, Blüte und Verfall des Karlingischen Weltreichs. 11 Septimanien erobert hatten: es schien dem arabischen Anprall unterliegen zu müssen, und Karl Martell betrachtete diesen Aus— gang aller Wahrscheinlichkeit nach als wünschenswert in seinem Interesse. Allein die Kämpfe zwischen El Samaah, dem arabischen Statthalter Spaniens, und Herzog Eudo führten zu ganz an— derem Ergebnis: die Sarazenen wurden im Jahre 721 bei Toulouse geschlagen, El Samaah selbst fiel, und seine Nach— folger richteten ihre Angriffe von Septimanien her nunmehr auf dem zweiten vom französischen Mittelmeergestade aus möglichen Wege gen Norden, auf Burgund. Bald schweiften arabische Reiter die Rhone herauf bis Autun; Neustrien ward bedroht; Karl Martell war zur Verteidigung des eignen Reiches zezwungen. In diesem kritischen Augenblick hinderten innere religiöse Zwiste die Araber an der Fortsetzung des Krieges; und als ein neuer, allseitig beliebter Statthalter, Aderaman⸗al-Ghafik nach Besänftigung der inneren Wirren den Kampf von neuem auf⸗ aahm, richtete er sein Schwert nicht mehr gegen Burgund, son⸗ dern erneute die Kämpfe gegen Eudo. Auch jetzt wurde der aquitanische Herzog von Karl Martell nicht unterstützt. So wurden die Aquitanier im Frühjahr 732 geschlagen; ungehindert drang das arabische Heer über die Nord— grenze Aquitaniens, Schrecken verbreitend nahm es seinen Weg zum nationalfränkischen Heiligtume, der goldglänzenden Kirche des hl. Martin zu Tours. Nun erst fühlten Karl und die Völker des fränkischen Reiches, was auf dem Spiele stand. Das Christentum, die universale Macht des Occidents, kaum im Osten des Reiches in spärlicher Saat verbreitet, ward an seiner ältesten Heimstätte im Frankenreich angegriffen: von Osten und Westen her drohten die Wellen heidnischen Unglaubens in entgegengesetztem, gleich schwerem Anprall über den Häuptern des Volkes zusammenzu⸗ schlagen. In dieser höchsten Not raffte sich alles empor: Karl ward zum Führer der geeinten fränkischen, oceidentalen Christen⸗ heit. Er siegte auf den baumreichen Ebenen Cenons, zwischen