— * Siebentes Buch. Erstes Kapitel. bestieg Alexander II. nächtlicherweile den Stuhl Petri. Da— gegen erhoben sich die italischen Feinde des Reformwesens, der römische Adel tuskulanischer Färbung und die Bischöfe der Lombardei: sie suchten Hilfe in Deutschland. Der Adel wollte seinen Einfluß auf die Papstwahl wieder gewinnen. Die Bischöfe widerstrebten dem und anerkannten den primatus in blectione des deutschen Königs. In Deutschland entschloß man sich zu einem entscheidenden Schritte. Ende Oktober 1061 trat eine Synode deutscher und italienischer Bischöfe in Basel zu— sammen; sie wählte einen reichen Reformfeind, den Bischof Cadalus von Parma, zum Gegenpapst. Darauf zog Cadalus gen Rom; sein Geld öffnete ihm alsbald alle Wege. Am 14. April ritt er in die Leostadt ein; seine Weihe und In— thronisation schien nur noch die Frage weniger Stunden. Da wußte Hildebrand während der folgenden Nacht die Römer zur Bevorzugung seines Papstes zu bestechen; Cadalus mußte ungeweiht Rom verlassen und nach Tusculum zurückweichen. Und nun erschien, Mitte Mai 1062, Gottfried von Tuscien vor Tusculum und erklärte als Statthalter des Reiches in Italien, beide Päpste hätten sich auf ihre Sitze zurückzuziehen; dem deutschen König und den deutschen Fürsten sei die Ent— scheidung über das Schisma anheimzugeben. Es war ein Eingriff durchaus zu Ungunsten des deutschen Papstes Cadalus, wohl veranlaßt durch die Nachricht vom Kaiserswerther Raube, die Gottfried eben damals erhalten haben muß. Anno aber, das Haupt des neuen Reichsregiments, machte sofort eine Schwenkung zu Gunsten Alexanders!. Wer wird widersprechen, wenn man behauptet: Anno habe zur Durchführung seiner deutschen Pläne, die mit dem Königs— raube begannen, die Hilfe Gottfrieds von Tuscien erlangt, indem er die Rechte des deutschen Königtums gegenüber der Kurie opferte? Hatte Erzbischof Adalbert das königliche An— sehen in Deutschland zerstört: Erzbischof Anno vernichtete es in Rom und Italien. Val. unten S. 325.