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        <title>Urzeit und Mittelalter</title>
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      <div>Entstehung, Blüte und Verfall des Karlingischen Weltreichs. 41 
Vorkämpfer für die Reichseinheit!. Aber bei Fontenoy wurde 
er von den Brüdern 841 geschlagen. Gleichzeitige Dichter 
haben es schon damals ausgesprochen, daß die Reichseinheit 
nun zertrümmert war. Ludwig und Karl schlossen sich bald 
darauf zu Straßburg 842 nur noch fester zusammen. Aber 
indem sie ihr gegenseitiges Gelöbnis, der eine deutsch, der andre 
französisch, leisteten, zeigte fich schon die Unvermeidlichkeit einer 
dauernden Trennung. Lothar griff indes zu den letzten Mitteln. 
Er suchte die soziale Not der unteren Klassen im Sachsenlande, 
der Freien und Laten, für sich auszubeuten. Vergebens. Lud— 
wig schlug die Empörung dieser sog. Stellinga grausam nieder. 
Und auch sonst wandte sich das Glück von Lothar. Er selbst 
verstand sich schließlich zu Teilungsvorschlägen, worüber 848 
eine Einigung erreicht ward. Sie erfolgte, zuletzt erzwungen 
durch die kampfesmüden Großen, im Vertrage zu Verdun, im 
August 8432. 
Der Vertrag zu Verdun hat die äußere, rein formelle Ein— 
heit des Karlingischen Universalreichs für immer gelöst. Es 
zerfiel seitdem in drei Teile: Karl erhielt Westfranken, Ludwig 
Ostfranken, Lothar das zwischen inne liegende Land, Burgund, 
die Provence und Italien; der vierte Bruder Pippin war vor 
der Teilung gestorben. Ostfranken speziell, aus dem später das 
deutsche Reich erwuchs, umfaßte im wesentlichen alles Land rechts 
der schweizerischen Aare und des Rheines, nur die heutige Pfalz 
und Rheinhessen links des Rheines gehörten ihm noch zu, 
während schon südlich von Bonn, von Sinzig aus, die Grenze 
—IDDDDDDD— 
um dann einige Meilen landeinwärts rechts des Rheines bis 
etwa zur heutigen holländischen Grenze und dieser entlang, doch 
bis gegen Bremen ausbauchend, zur Weser und Nordsee zu ver— 
laufen. Das ostfränkische Reich des Verduner Vertrages um— 
faßte also keineswegs das deutsche Gesamtvolk: ganz gehörten 
ihm nur die Baiern und Sachsen an, die Hüter der deutschen 
Ostgrenze gegen die Slawen; mit einem Fünftel etwa, dem 
Elsaß, befanden sich die Alamannen, zu beinah der Hälfte die 
NMonarehiam vindieabat Ann. Fuld. a. a. 841 bei Waitz ? IV 681I. 
2 Dümmler 161ff.</div>
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