Einleitung. 11 Ansehens, mochte er im Süden oder Norden des Vaterlandes an⸗ sässig sein oder vorübergehend sich aufhalten. In der Herstellung dieser allerseits ausgleichenden Ver— bindungen entwickelten die Anfänge der geldwirtschaftlichen Bil— dung gegenüber den bisher partikularen Strömungen den Begriff und das Bewußtsein der Nation zur gleichen Zeit, wo sie mit ihren Einflüssen die Entfaltung der Territorialgewalten unter— stützten: eben in dem Augenblick, da die Nation als Staat aus den Fugen zu gehen begann, ist sie als soziale Einheit er— kannt und für immer dem Bewußtsein der Deutschen gewonnen worden. Und mehr noch: in eben diesem Augenblick hat sich die Nation fast zu der größesten That, die ihr als Gesamtkörper bisher gelungen ist, angeschickt, zur Kolonisation der heutzutage deutschen Länder an der mittleren Donau und östlich der Elbe. An den Einzelvorgängen dieser außerordentlichen, mehr als zwei Jahrhunderte andauernden Bewegung haben sich alle deutschen Stämme, und nicht zum wenigsten die der äußersten westlichen Fernen beteiligt; Norddeutsche und Süddeutsche haben in gleicher Weise den Weg gefunden nach Livland und Siebenbürgen, nach Schlesien und Preußen: die Kolonisation des deutschen Ostens ist das Siegel gewesen der unter geldwirtschaftlichem Einfluß zum erstenmal praktisch durchgeführten, wenn auch nicht staat— lich zu Tage tretenden nationalen Einheit. Aber auch für das Geistesleben bedeuteten jene ersten Ein— flüsse der Geldwirtschaft, wie sie vom 12. bis 15. Jahrhundert zunehmend auf das nationale Dasein einwirkten, einen wesent— lichen Fortschritt, wenn auch noch nicht den Bruch mit der mittelalterlichen Gebundenheit. Schon daß die im 10. bis 12. Jahrhundert gewonnenen Formen einer noch typischen, von jedem Individualismus fernen Frömmigkeit in den Hintergrund gedrängt wurden, war ein Vorteil. Es wurde dadurch Platz geschaffen für eine neue geistige Auffassung, die ihrerseits be— dingt war durch Veränderungen auf sozialem und noch mehr gesellschaftlichem Gebiete. Es wird bald genauer zu erzählen sein, wie sich im Laufe des 12. Jahrhunderts im Ritterstand ein erster Stand im wesentlichen