38 Achtes Buch. Zweites Wapitel. die Dienstmannschaft mit Lehen gesättigt; sie bildet einen der Krystallisationspunkte für die neue gesellschaftliche Bildung der Ritter; sie wird erblich auf ihren Lehnsgütern; sie tritt im Laufe der Stauferzeit in den gewöhnlichen Lehnsverband ein. Um das Jahr 1200 ist sie damit der Verwaltungspraxis der Grund— herrschaften entwachsen. Ein Vorgang von außerordentlicher Bedeutung. Die Or— ganisation des großgrundherrlichen Besitzes hat die grundholde Klasse differenziert: durch höhere Thätigkeit wie näheren Zu— sammenhang mit der Person des Grundherrn aus der gleichartigen Masse der Grundhörigen hervorgehoben erscheinen die Dienst— mannen als neue soziale Schicht; die Grundherrschaft wirkt gesellschaftsbildend. Aber sie verblutet zugleich an dieser Auf— zabe, sie verliert ihr Verwaltungspersonal und damit den großen Rahmen ihrer wirtschaftlichen Bethätigung. Nirgends erscheint dieser Zusammenhang deutlicher, wie im Verfall der Meierämter. Die grundholden Meier waren ursprünglich absolut ab— hängige Diener des Grundherrn; sie lieferten, was der Hof zu liefern ihnen jeweils aufgab. Allein bald wurden diese Lieferungen fixiert: die Schwierigkeit jeder naturalwirtschaft— lichen Budgetierung wie die Selbständigkeitsgelüste der Meier führten gleichmäßig zu diesem Ergebnis. So betrachtete sich denn der einzelne Meier bald als der eigentlich selbständige Verwalter seines Fronhofs; er schien nur noch durch die regelmäßigen Leistungen an den Herrn gebunden, diese Leistungen selbst wurden im Sinne einer Rente oder Pacht aufgefaßt; nicht minder wie für die Bauerngüter trat für den Fronhof der Gesichtspunkt bloßer Rentberechtigung der Grundherren in den Vordergrund. Diese wirtschaftliche Emanzipation erhielt durch die oben geschilderte soziale Loslösung dann volleren Inhalt und weitere Bedeutung. Als Lehnsmann des Grundherrn erschien der Meier mit dem Fronhof nunmehr erblich bewidmet; ja, er wußte sich schließlich oft, zumeist im Laufe des 18. Jahrhunderts, auch vom Lehnsnexus zu befreien. Aber auch wo das nicht geschah, sahen kräftige Meier sich