Zerfall des Reiches. 287 Fürsten der Wahl angenommen; die Laienfürsten zeigten schon damals kaum mehr tiefere Teilnahme an Reichsangelegenheiten, gingen vielmehr fast ausschließlich der Befestigung ihrer Landes— gewalt nach. Nun wurde aber ein großer Teil der Pfaffen— fürsten an der Unterstützung des neuen Königs durch den durchweg staufischen Geist ihrer Hauptstädte verhindert, den König Konrad klugen Sinnes entwickelt hatte. Die Folge war, daß Heinrich Raspe wahre Hilfe allein bei der Ritterschaft fand: er befand sich in der schon einmal von König Heinrich (VII.) eingenommenen Lage. Es wiederholten sich daher für ihn die Erfahrungen des flatterhaften staufischen Kaisersohns; obwohl er sich nach Schwaben begab, schon damals dem Herzland der Ritterschaft, scheiterte er; am 17. Februar 1247 ist er auf der Wartburg gestorben. Im Herbst 1247 fand man einen neuen Gegenkönig. Es war Wilhelm, Graf von Holland, nicht fürstlichen Geblüts, herbeigeholt von den Enden des Reiches, vom Niederrhein hegünstigt, jenem Nährboden des Gegenkönigtums seit den Tagen Heinrichs VIJ., wie vordem es Sachsen gewesen, zum König ausersehen auf einem Konzil zu Köln unter Einfluß des päpst⸗ lichen Legaten Petrus Capuccius!: der Wahl und dem Her— kommen nach ein würdiger König des Übergangs zu der fremden Herrschaft Richards von Cornwallis und Alfons X. von Castilien. Er war anfangs ein rein niederrheinischer König; nach einem bergebenen Versuche, die Städte zu gewinnen, flützte er sich gleich Heinrich Raspe auf den Adel. Da ging König Konrad IV. m Jahre 1281 nach Italien, 12854 starb er: seitdem war Wilhelm der einzige König im Reiche. Wilhelm benutzte den Wechsel, um sich hinaus über den bisher beschränkten Kreis seines Wirkens im Sinne seiner ursprünglichen, zunächst aber ge— scheiterten Politik vornehmlich auf die bisher staufischen Städte a Meister Sigeher (MS. II, 184) sagt gelegentlich seiner Wahl von der dolle des Papstes im Verhältnis zu den deutschen Königen: er sezzet si uf, er sezzet si abe, nach der habe virfet er sie hin und her als einen bal.