Germanisation der Lande zwischen Elbe und Oder. 331 Unterwerfung zwang, indem er eine militärisch beauffichtigte Grenze schuf, die von der Eider über Elbe, Saale, Böhmerwald, Enns und Wienerwald bis zur Raab und weiter lief, hat er auf mehrere Generationen die Beziehungen zwischen Slawen und Ger— manen festgelegt. Zwar saßen auch innerhalb der Marken Karls des Großen Slawen, so die Drawenen, die Reichsslawen in Thüringen bis zum Eichsfeld, die Mainwenden und die Slowenen in Kärnten und Pannonien; doch haben diese eine politische Rolle im slawischen Sinne nicht mehr gespielt, sind freilich auch durch ihre Lage innerhalb der friedlichen Grenzpfähle des Reiches vor jeder gewalt⸗ samen Germanisierung vielfach bewahrt geblieben: so daß die Slo— wenen wenigstens noch heute als ein slawisches Volk fortleben. Außerhalb der Marken des Reiches aber brachten es die Slawenvölker nach dem Tode Karls des Großen erst seit Mitte des 9. Jahrhunderts zu einer größeren politischen Schöpfung, dem großmährischen Reiche. Es war zugleich das erste um— fassendere, auf rein slawischen Grundlagen aufgebaute Reich, wovon wir wissen; und auch bei ihm drängt sich die Vermutung auf, daß es nur unter dem Eindruck der germanischen Universal— macht möglich ward, so wie Marbod einstmals eine germanische Despotie umfassender Art in Nachahmung des römischen Im— periums gegründet hatte. Dies Reich, begonnen von Rastislaw (846870), vollendet durch Swatopluk (870 -894), umfaßte zur Zeit seiner höchsten Blüte, was von Slawenvölkern vom Böhmerwald bis zur Drau und Theiß beisammensaß; seine öst— lichen und nördlichen Grenzen, uns unbekannt, verloren sich wohl in den Karpathen und den weiten Ebenen der oberen Weichsel. Und schon versuchten seine Herrscher, ihm slawischen, d. h. deutschfeindlichen Charakter zu geben. Das Band loser Abhängigkeit vom ostfränkischen Reiche ward zerrissen, die Missionsthätigkeit der Bistümer Regensburg, Passau und Salz- burg unterbunden, die Anknüpfung an die abendländische Kirche überhaupt anfangs abgelehnt. An Stelle der deutschen Glaubens— boten erschienen die Slawenapostel Methodius und Konstantin (Cyrillus); slawische Bibelübersetzung und slawische Liturgie hielten mit ihnen Einzug; ein Erzbistum von Pannonien und