Germanisation der Lande zwischen Elbe und Oder. 363 Pfarrkirchen; im späteren Mittelalter war sie die größte städtische Ansiedlung in weitem Umkreis. Mit dem Freiberger Silberbau aber hob sich auch der alte Bau auf Zinn und Kupfer, der schon scit Anfang des 12. Jahrhunderts im Erzgebirge betrieben worden war: überall entstanden damit Ansiedlungen von Bergleuten, d. h. deutsche Orte. So von mehr städtischer, bürgerlich-industrieller Seite her ward die alte thüringisch-meißnische Mark dem Deutsch— tum gewonnen, ja es bedurfte noch eines zweiten großen Zulaufs industriell-deutscher Elemente seit der Entdeckung der Silberadern bei Schneeberg, im Westen des Erzgebirgs (um 1460), ehe die deutsche Zukunft des Landes völlig gesichert war. Noch heute aber trägt das Königreich Sachsen den Charakter dieser eigen— artigen Vorgänge. Noch heute sind Höhen und Hänge des Erzgebirgs Sitze einer völlig deutschen, vornehmlich industriellen Bevölkerung, während im nördlichen Flachland aus dem Lande der vordeutschen Anbauebenen wie aus dem Humusboden ge— urbarter Wälder neben dem deutschen noch immer das slawische Element des Volkslebens bald mehr bald minder deutlich hervorlugt. Wie ganz anders verlief demgegenüber die Kolonisation im Centrum wie im Norden der elbslawischen Gebiete, vor allem in Brandenburg. Unbarmherzig ward hier aufgeräumt mit dem slawischen Element; eine fast völlig deutsche Bevölkerung ward geschaffen. Vernichtet wurden alle Traditionen der Slawen auf materiellem wie geistigem Gebiete: der Sagenschatz des heutigen brandenburgischen und teilweis auch mecklenburgischen Volkes ist zumeist deutschen, spezifisch niedersächsischen Charakters. So erscheinen diese Gegenden von vornherein, erscheint Branden— burg vor allem vorherbestimmt zur Führung des kolonialen Ostens: nicht erst die Reformation in ihren schließlichen Folgen hat ein angebliches Übergewicht Sachsens Brandenburg gegenüber beseitigt. V. Die deutsche Kolonisation der mittleren und nördlichen Elb gebiete begann vom äußersten Norden her, ganz entsprechend dem