394 Zehntes Buch. Drittes Kapitel. stehen dann deutsche Kaufleute schon in den regsten unmittel-— baren Beziehungen zu Rußland, vornehmlich Nowgorod, wo Fürst Jaroslaw Wladimirowitsch im Jahre 1199 unter Zu— stimmung des Possadniks Mirozka den alten Frieden mit allen deutschen Söhnen, mit den Goten und der ganzen lateinischen römisch-katholischen) Zunge bestätigt und einen völlig freien Handelsverkehr gewährleistet. Gewiß erhob sich um diese Zeit schon die deutsche Faktorei zu St. Peter in Nowgorod; ihre älteste Sktra stammt aus dem zweiten Viertel des 18. Jahr— hunderts. Vor allem den sächsischen Nordwesten finden wir um diese Zeit an dem neuen Verkehr des Ostbeckens mit beteiligt; Lübeck hat von vornherein Soester Recht erhalten; die kleine Stadt Medebach in Westfalen handelt schon im Jahre 1165 selbständig bis Rußland; im deutschen Hofe zu Nowgorod re— gieren Olderleute aus Gotland, Lübeck, Soest und Dortmund, und auch die große deutsche Gemeinde zu Wisby ist anfangs neben Lübeckern vornehmlich durch Westfalen gebildet. Und bald zeigte sich der selbständige Wagemut des deut— schen Kaufmanns in diesen östlichen Gebieten, die von den aächsten Punkten der Heimat nicht weniger weit entfernt waren, wie die Herzgebiete Deutschlands von der ewigen Stadt, dem Zielpunkte der kaiserlichen Politik unserer Herrscher. Schon früh, in den ersten Jahrzehnten nach der Mitte des 12. Jahr— hunderts, sah man ein, daß die Straße von Wisby nach Now— gorod für den ost-westlichen Handel einen Umweg bedeute, daß man den Strom des russisch-kontinentalen Handels bequemer von den großen Handelsstädten der Düna, von Polozk und Smolensk nach dem Westen leiten könne. So segelten deutsche Kaufleute wohl von Wisby aus ums Jahr 11685 die Mündung der Düna auf; bald folgte ihnen die deutsche Mission: es sind die An— fänge der deutschen Eroberung und Kolonisation in Livland. Schon im Jahre 1186 war hier ein deutscher Glaubensbote, der Priester Meinhard vom Kloster Segeberg in Wagrien, so— weit fortgeschritten, daß er vom Erzstuhle Bremen-Hamburg, dem alten Sitze des Patriarchats für den heidnischen Norden, mit Erfolg die Erhebung seines Missionsgebietes zum Bistum begehren konnte. Größeren Aufschwung nahm die neue