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        <title>Urzeit und Mittelalter</title>
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      <div>Geistige Kultur der Stauferzeit. 
213 
Diese Auffassungsweise der Kunst wie der Dichtung wieder— 
holt sich auch gegenüber der Natur. 
Bis ins staufische Zeitalter hinein war die Natur 
unserem Volke als Objekt dichterischer und künstlerischer 
Wiedergabe ziemlich fern geblieben. Der alte Heldensang 
kannte Eindrücke des Naturlebens nur als Beiwerk, sein rascher 
Gang verbot ihm jede Ausmalung der Scenerie und jede ab⸗ 
gesonderte Naturschilderung zum Zweck des Vergleiches; noch 
in den höfischen Redaktionen des Nibelungenliedes und der 
Gudrun mangeln fast alle Vergleiche. Die Kunst bewältigte 
ornamental nur den Tierleib und die Pflanze. Die Kirche 
endlich stellte sich sinniger Naturbetrachtung nicht eben günstig, 
sobald der asketische Zug christlicher Frömmigkeit erwacht war: 
dergebens hatte Hrabanus Maurus ausgerufen Deus est 
sanctus in omnibus operibus eius! — erst Roger Baco und 
Albertus Magnus haben die Natur entsündigt?. 
Als man nun aber mit dem Erwachen der Frou Werlt 
der Natur näher trat, faßte man sie keineswegs schon ins 
Große. Nie, bringen es die Dichter, die außerhalb Deutschlands 
gelebt haben, zu einer allgemeinen Charakteristik der fremden 
Landschaftsformen, die sie gesehen; sogar die Eindrücke der 
morgenländischen Natur gehen spurlos an ihnen vorüber; und 
Freidank, der länger in Rom lebte, weiß seiner Anwesenheit 
in der ewigen Stadt nur die Bemerkung zu entnehmen, daß 
dort an den Palästen derer, die sonst herrschten, das Gras 
wachse. 
Die Natur gilt der Gesellschaft der Stauferzeit nur, soweit 
sie gesellschaftlich fördert und Scene bildet; nicht mehr ihre 
erhabenen, aber noch dunkel umrissenen Formen ziehen den Ritter 
an, wie einst den Germanen, und noch viel weniger ist schon 
das ästhetische, rein auf künstlerischem Behagen beruhende Ge— 
samtverständnis späterer Zeiten gewonnen. Die Natur erschien 
De universo 7, 7. 
a S. Alexander v. Humboldt bezw. W. Grimm, Kosmos 2, 833 f., 
266—340.</div>
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