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        <title>Urzeit und Mittelalter</title>
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            <surname>Lamprecht</surname>
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      <div>Geistige Kultur der Stauferzeit. 
2227 
dem Walther sang 2ze Osterriche lernte ieh singen unde 
agen, damals wie heute das Land frohen Lebensgenusses, aber 
m 12. Jahrhundert zugleich das Land aufblühender, soeben 
wurzelständig gewordener deutscher Kultur, das Durchgangsland 
jener deutschen Volksmassen, die hoffnungsfreudig bald dem 
Drient als Gottesstreiter zuströmten, bald den Ebenen Ungarns 
als stille Eroberer und Pioniere deutscher Kultur!. 
Aber diese Stufe höfischer Lyrik entbehrte der Verheißungen 
langer Dauer. Das Verhältnis der Frau als werbenden, 
sehnenden Teiles, worauf sie beruhte, ward in der Entwickelung 
der ritterlichen Gesellschaft bald in das Gegenteil verkehrt?: 
die Frau ward zur Herrin, der Ritter zum dienenden Vasallen. 
8s geschah das anfangs freilich noch nicht in dem konventionellen 
Sinne der französisch beeinflußten Zeit; die Frau war weit 
davon entfernt, als unerreichbare Halbgöttin zu gelten, die 
Minne in ihrem Dienst behielt einen stark sinnlichen Zug, sie 
suchte und fand Erhörung, und dementsprechend rief sie eine 
dyrik hervor, die sich knapp und klar auf Wirklichkeiten auf⸗ 
haute, Thatsachen der Empfindung schilderte und dem einzelnen 
Dichter meist nur wenige Jahre des Gesanges, eine in sehnender 
Wahrhaftigkeit durchlebte Liebes- und Jugendzeit, zumaß. Aus 
diesen Voraussetzungen heraus hat neben anderen bairischen 
Rittern namentlich ein Burggraf von Regensburg gedichtet. Er 
zehörte, wie der spätere Rietenburger, einem altadligen Geschlecht 
an; schon seit dem letzten Drittel des 10. Jahrhunderts war 
dieses im Besitz des Grafenamtes; der Vater des Dichters war 
Schwager des Historikers Otto von Freising, des Bischofs von 
Passau, der Herzöge Leopold IV. und Heinrich II. von Hster⸗ 
reich; seine Gemahlin, eine Babenbergerin, war Enkelin Kaiser 
Heinrichs IV. Man sieht: in dieser Form erstreckte sich die 
oͤyrik in die höchsten Kreise des Volkes, soweit sie dem Süd— 
osten angehörten. 
Es isi die letzte Stufe rein national geborener Lyrik: schon 
Vgl. unten S. 378 ff. 
2 S. oben S. 182 f.</div>
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