10 Elftes Buch. Erstes Kapitel. 19. Jahrhunderts. Indes die ersten größeren geldwirtschaft— lichen Wirkungen schienen doch einen beinah entgegengesetzten Charakter zu tragen. Sie hoben die Städte als vereinzelte Mittelpunkte der neuen Wirtschaftsform aus der alten, nur auf naturalwirtschaftliches Dasein zugeschnittenen Verfassung heraus; in ihrem Gefolge zog der Krieg mit den Territorien ein⸗ her und der Zwist mit den alten Herren der Städte!; und ein engherziger Abschluß der Städte vom umliegenden platten Lande, soweit es sich um die freie Vermittlung der geldwirt— schaftlichen Entwicklung auch an dieses handelte, hob fast die Verdienste auf, die sich die Städte im Interesse öffentlichen Friedens und größerer Verkehrssicherheit während der Zeiten des Interregnums um das Reich erwarben? Unter diesen Umständen war es nicht zu viel, sprach man ums Jahr 1270 in Deutschland von einem Kampfe aller gegen alle. Die alten, mechanisch schützenden Mächte der Nation, Kaisertum und Kirche, waren dahin; die neuen, organisch ver⸗ bindenden Mächte waren noch nicht zu vollem Leben entwickelt. Es war ein Interregnum nicht bloß der Könige, sondern auch der nationalen Bildungskräfte. Und schwer nur war vorherzu—⸗ sagen, welches zunächst die weiteren äußeren Schicksale des Vaterlandes sein würden. Wer wollte die Macht der noch vorhandenen einigenden Tendenzen sicher abschätzen? Wer in diesem Augenblick die poli— tische Bedeutung der Ritterschaft und der freien Herren, jener Reliquien der großen staufischen Zeit kaiserlicher Kämpfe und dichterischer Bildung, wer gar die der emporstrebenden Städte und der kräftig zusammengerafften Territorien richtig ermessen? Erst die Zukunft hat gelehrt, daß einstweilen, noch bis tief ins 14. Jahrhundert hinein, die vornehmste Kraft der Nation, so— weit sie gesammelt auftrat, in den Territorien gelegen wars. 1S. Band III S. 289, 290. S. Band III S. 287 f. s Das Hervortreten der Städte um die Mitte des 18. Jahrhunderts (Band III S. 255. 288 f.) bildete nur Evpisode.