32 Elftes Buch. Erstes Kapitel. König Otokar sich angeeignet hatte, wieder eingebracht werden? König Rudolf überließ das staufische Gut dem Bayern, seinem Schwiegersohn; unverweilt aber rüstete er sich zu einer gewalt— samen Wiedereinforderung des großen Nachlasses der öster— reichischen Herzöge an der Donau; er wußte wohl, daß ein Kampf mit der drohenden böhmischen Macht für ihn, wollte er anders herrschen, nicht zu vermeiden war, und er begriff, daß erst der Erwerb der österreichischen Lande seiner jungen Würde eine wirklich königliche Bedeutung werde geben können. IV. König Otokar, lange Zeit hindurch Günstling der Kurie, glaubte auch nach der Wahl Rudolfs sich noch päpstlicher Unter— stützung sicher. In diesem Sinne schrieb er dem Papst Gregor X. geringschätzig über die Person des neuen Königs: man habe irgend einen minder geeigneten Grafen zur Krone befördert. Rudolf seinerseits war nicht im Zweifel darüber, daß die Haltung der Kurie für den Erfolg seines Vorgehens gegen Böhmen von größester Bedeutung sein müsse. Ob er auch ein— sah, wie sehr dem Papste bei der allgemeinen Weltlage daran liegen mußte, gerade ihn als den rechtmäßig gewählten Herr— scher im ungestörten Besitz der Königsgewalt zu wissen? Jeden⸗ falls kannte er die Kreuzzugsgedanken des Papstes. Er gab daher seinem Kanzler, der der Kurie die in würdigem Tone gehaltene Anzeige der Wahl und die Bitte um Verleihung der Kaiserkrone überbringen sollte, die Vollmacht mit auf den Weg, sich mündlich dahin zu äußern, der König werde sich zu einem Kreuzzug ins Heilige Land bereit finden lassen, auch nehme er in Aussicht, die der Kurie weiten Landbesitz überweisenden Privilegien früherer Kaiser, vor allem Friedrichs II.“, zu be—⸗ stätigen. Es waren für Gregor lockende Anerbieten. Gleichwohl entschied sich der Papst noch nicht sofort für Rudolf. Getragen S. Band III S. 265.