34 Elftes Buch. Erstes Kapitel. selbst wurde im Fall des Sieges über Otokar die Regierung Kärntens versprochen. In Kärnten und Steiermark aber wiegelte Erzbischof Friedrich von Salzburg, wie fast alle südöstlichen Bischöfe ein Parteigänger Rudolfs, den Klerus und den Adel gegen Otokar auf. So waren alle südlichen Teile der Herrschaft Dtokars diplomatisch umgarnt und im Kriegsfalle militärisch lahm gelegt; nur mit Boöhmen, Mähren und Osterreich hatte der König es noch zu thun. Und auch nach Westen hin wußte Rudolf den Böhmen zu isolieren. Er zerstreute eine königsfeindliche Koalition der rheinischen Erzbischöfe, und er gewann den einzigen Parteigänger Otokars, den Herzog Heinrich von Bayern, indem er ihm für dessen Sohn Otto die Hand seiner Tochter Katharina und als Pfand für die Mitgift Oberösterreich versprach. Darauf erneuerte er, am 24. Juni 1276, die schon im Vorjahr über König Otokar ausgesprochene Acht und erklärte ihm förmlich den Krieg. Alsbald trat die erwartete Katastrophe in den suͤdlichen Ländern Otokars ein; Steiermark, Kärnten, Krain begannen den Aufruhr. Und nun rückte Rudolf vom Elsaß her vor. Sein Heer war klein; wenige Reichsfürsten begleiteten es; vom Adel nahm leil nur, wer Rudolf persönlich ergeben war oder reiche Beute erhoffte. Aber während Rudolf den Landen Otokars nahte, erhob sich auch in Böhmen der Abfall von dem gestrengen Gegner; ungestört konnte das deutsche Heer bis vor Wien ziehen, wo es die Vereinigung mit den Bundesgenossen des Südens erwartete. Otokar war überrascht; er bedurfte einiger Zeit zur Samm— lung; er bot durch seinen Kanzler, den Bischof Bruno von Olmütz, Friedensverhandlungen an, deren Verlauf ihm seiner Absicht nach nur Zeit zu weiteren Maßregeln, einen längeren Waffen— stillstand sichern sollte. Rudolf, vom Reiche nicht unterstützt, konnte nicht umhin, darauf einzugehen; aber indem er die Streitfragen zwischen dem Böhmenkönig und sich einem Schied— spruch deutscher Fürsten überließ, nahm er den Verhandlungen den Charakter eines provisorischen Verlaufs und wußte sich die Errungenschaften eines eigentlich erst begonnenen Feldzuges