38 Elftes Buch. Erstes Kapitel. burger sind von Böhmen aus schließlich halb nach Ungarn ge— drängt worden und dem Reiche fast verloren gegangen. Das Haus Habsburg selbst büßte im 19. Jahrhundert seine deutsche Stellung ein, nachdem es mit dem Untergange des alten Reiches seine Stellung in Belgien und im oberrhei— nischen Vorderösterreich aufgegeben hatte. Preußen würde seinem heutigen deutschen Berufe nicht leben können, besäße es nicht wenigstens die Rheinprovinz, Westfalen und Hessen⸗ Nassau. Sollte Rudolf nicht dunkel die Notwendigkeit gefühlt haben, daß er als deutscher König, nachdem er im Süd— osten ein reicher Herr geworden, nun auch die Pflicht habe, im Centrum des Reiches als Fürst mehr als bisher zu gelten? Genug aus welchen Gründen immer: er suchte eine Ver— größerung seiner alten Grafschaft zunächst in der Richtung auf Schwaben. Vom Oberrhein her erweiterte er die Besitzungen seines Hauses im südlichen Schwarzwald; in Schwaben selbst setzte er in dem Grafen Albrecht von Hohenberg einen energischen königlichen Landvogt ein und sorgte für genaue Verzeichnisse des seit 1245 entfremdeten Reichsguts. Es waren Vorbe— reitungen für Größeres, welche von den kleinen Herren Schwa— bens und vor allen vom Grafen Eberhard dem Erlauchten von Württemberg mit steigendem Bedenken verfolgt wurden. Als dann Rudolf in persönlicher Anwesenheit Schritte zur Wieder— aufrichtung des Herzogtums thun wollte, da setzte sich alles wiederholt so tapfer zur Wehr, daß der alternde König von seinem Plane abstand. Aber was in Schwaben nicht möglich schien, das suchte Rudolf nun von der Südwestgrenze seiner ererbten Herrschaft nach Westen zu, gegen Burgund zu erreichen. Wiederholt schon hatte er phantastische Pläne, die auf die Herstellung eines habsburgischen Erbreiches Arelat hinausliefen, unterstützt oder von sich aus angeregt: aber obwohl sie von der Kurie zu— meist lebhaft gefördert worden waren, da diese in einem Er— folge Rudolfs an der Rhone die wirksamste Gegenwehr gegen das drohende sizilisch-französische Übergewicht gefunden haben