Wiederherstellung des nationalen Königtums. 43 des Reiches!; zugleich nahm er mythische Züge an, den flammen⸗ den Bart Thors, die Raben Wotans, und den alten Göttern gleich ward er hausend gedacht in Höhle und Burg; und nur die Lokalisierung dieser Stätten auf große Schauplätze altkaiser⸗ lichen Wirkens, auf Kaiserslautern oder auf den Kyffhäuser, den ragenden Berg der ottonischen Auen an der Unstrut, er— innerte noch an den einstigen Zusammenhang mit den Herr⸗ —DDD dem 19. Jahrhundert vermittelt worden, und nun zur Sage symbolisiert und in dem schwermütigen Gedichte Rückerts auf Friedrich J. den glänzendsten aller Stauferhelden übertragen, ist er ein Ausdruck geworden der erst jüngst teilweis erfüllten politischen Ideale unseres Volkes. Ideen sind mächtiger als Thatsachen, sie überwinden die Welt der geschichtlichen Materie. Es bezeichnet den Tiefstand der königlichen Gewalt in den Zeiten auch noch König Rudolfs, wenn der Gedanke des Verfalls, der gänzlichen Verlassenheit der Nation sich so gegenständlich verdichten konnte, daß er im Auftreten falscher Friedriche Ausdruck fand. Der König war gegenüber diesem Stande der Dinge, so⸗ weit er ganz Deutschland betraf, andauernd ratlos. Auf Nord— deutschland und auf den Nordwesten hat er Einwirkungen so gut wie garnicht versucht; die Stadt Lübeck mußte er dem Könige Magnus von Norwegen empfehlen, denn das Reich könne sie nicht schützen. Soweit aber sein Einfluß reichte, suchte er der Lage durch eine Landfriedenspolitik abzuhelfen, deren Folge⸗ richtigkeit und Energie gelobt werden muß. Im 7. und 8. Jahrhundert war das alte sakrale Straf⸗ recht der Urzeit zusammengebrochen, zum großen Teile infolge der Einführung des Christentums. Und der Staat war nicht imstande gewesen, ein volles neues Strafrecht an die Stelle zu setzen. Unter diesen Umständen nahm die Verwilderung und Friedlosigkeit schon vom 8. bis zum 11. Jahrhundert in be— denklichem Maße überhand. Aber die Kirche versuchte nun 1Val. Band V, 1S. 1183, 115.