30 Elftes Buch. Erstes Kapitel. gegeben hatte? Die rheinischen Erzbischöfe traten ihm näher und gewannen ihn schließlich durch unglaubliche Versprechen: sein Töchterchen Agnes sollte mit Ruprecht, dem Sohne des Thronkandidaten, verlobt werden unter Aussetzung eines großen Wittums und Verpfändung des Egerer und Pleißner Landes an die Krone Böhmen; vor allem aber wurde Wenzel die Aus— sicht auf den Wiedererwerb der österreichischen Lande für Böhmen eröffnet. Unter diesen für die Zukunft des Reiches verhängnis⸗ vollen Bedingungen trat Wenzel für die Wahl Adolfs ein, mit ihm die von ihm abhängigen Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg. Am 5. Mai 1292 wurde Adolf gewählt; am 24. Juni ist er zu Achen gekrönt worden. Und schon hatte die Welt er⸗ fahren, unter welchen Bedingungen die rheinischen Erzbischöfe den Grafen zum König gemacht hatten. Sehen wir von dem Trierer Erzbischof ab, der, ein alter Freund des habsburgischen Hauses, mehr in den Hintergrund getreten war, so hatte Köln eine Fülle von Reichsbesitz erhalten, dessen Übertragung an das Erzstift diesem politische Vorteile gegen fast alle seine Nachbarn und Rivalen, gegen Brabant, Jülich, Berg, Mark u. a. ge— währte, dazu die enorme Summe von 25000 Mark in Pfändern. Doch schlimmer als all dies waren die Bedingungen, unter denen Adolf diese Verpflichtungen eingegangen war: er hatte für deren Ausführung seinen eigenen Besitz verpfändet; er wollte dafür nach längstens vierzehn Tagen fünfzig gute Bürgen in Schuldhaft stellen, darunter anfangs gar sich selbst, erst später seinen Sohn Ruprecht; ja er versprach schließlich, sich erst krönen zu lassen, wenn der Kölner allen Besitz erhalten habe, und wollte sich der Krone verlustig erklären, wenn gewisse später zu realisierende Bedingungen nicht erfüllt würden. Man sage nicht, daß die Zeit, die den Verfall aller aristo— kratischen Bildungen des früheren Mittelalters sah, solche Ab— machungen nicht als beschämend empfunden habe. Wenn uns ein biederer Thüringer Chronist erzählt!, der Mainzer Erzbischof 1 Der Priester Sifrid von Balnhausen, 88. 26, 679 f.