Wiederherstellung des nationalen Königtums. 51 Gerhard, der Adolf zum König machen half, habe früher sterben müssen, weil er gesagt habe, er habe noch drei Könige in der Tasche, so beweist er mehr Verständnis für die Würde des Königtums, als Adolf, da er sich durch solche Pforten zur Herrschaft drängte. Auch der Mainzer Erzbischof erhielt natürlich reichlichen Ersatz der Wahlkosten': u. a. verpflichtete sich Adolf, alle seine Schulden zu bezahlen. Wichtiger war es, daß der Erzbischof sich in Thüringen Zugeständnisse machen ließ, die auf seine Absicht deuteten, dies Land für sein Stift zu erwerben, und daß er mit Erfolg den ersten Versuch machte, die Reichskanzlei durch Ausübung des Ernennungsrechts für den Kanzler in eine gewisse Abhängigkeit vom Mainzer Erzstuhl zu bringen. Doch genug von diesen Dingen! Haben sie sich gleich be— schämend nicht wiederholt, so stehen sie doch im Vergleich zu früheren und späteren Wahlen auch keineswegs vereinsamt da. Sie entsprachen dem moralischen Niveau der Kurfürsten und dem Tiefstand der Reichsinteressen; und erst spät wurden sie dadurch zurückgedrängt, daß die Kurfürsten in den Verhandlungen, welche der Wahl vorangingen, gemeinsam und deshalb sachlicher zu verfahren begannen. Es ist die Zeit der nun beginnenden wirklichen Wahlkapitulationen; sie setzt mit Ruprecht im Jahre 1400 ein und vollendet sich mit der Wahl Karls V. im Jahre 1519. Doch haben auch die Wahlkapitulationen nicht ver—⸗ hindert, daß später erneut schamlose Einzelversprechen gegeben wurden. Und gemeinsam war beiden Arten der Verhand— lung, daß das Reichsrecht in seinen wichtigsten Bestimmungen nunmehr durch persönliche Einzelbestrebungen fortgebildet wurde und somit jeder eigenständigen und organischen Entwicklung verlustig ging. Der Neuerwählte war im übrigen persönlich kein unwürdiger Mann. Freilich: sein Besitz war klein; er war wirklich das Gräflein', von dem abgünstige Zeitgenossen sprachen; um standesgemäß leben zu können, hatte er Dienste nehmen, fremdes Brot essen müssen da und dort. Aber er war auch bekannt als braver, ja tollkühner Haudegen und biedrer Ritter, und seine Bil—