52 Elftes Buch. Erstes Kapitel. dung stand über dem Herkommen: er sprach etwas Latein und Französisch, und er war Lesens und Schreibens kundig. Auch waren die Anfänge des neuen Herrschers glücklich. Wie alle Könige seines Schlages, lebte er zunächst unter dem günstigen Einfluß der zahlreichen Sonderinteressen, die durch seine Wahl befriedigt worden waren. So gelang es ihm, sich mit Albrecht von fsterreich abzufinden, der drohend im Elsaß stand; auch schuf er Ruhe und Frieden am Rhein und in Schwaben. Dabei zeigten sich schon die Anfänge einer be— stimmten Stellungnahme zu den sozialen Mächten im Reiche; Adolf suchte es mit der kriegerischen Kraft des Adels gegen die Fürsten und teilweise auch gegen die Städte zu halten. Wie aber wäre das möglich gewesen ohne eine größere königliche Hausmacht? Und wo war sie zu finden? Lag es in der Natur der Dinge, daß die Kandidaten zur Krone vor⸗ nehmlich den minder mächtigen Fürsten des westlichen Mutter— landes entnommen wurden, so war es ebenso selbstverständlich, daß diese eine Verstärkung ihrer heimischen Kräfte im Kolonial—⸗ gebiete, dem Lande großer Territorien und rasch wechselnder fürstlicher Schicksale suchten. So hatten die Habsburger den Südosten gewonnen. Für Adolf war das Land der Zukunft Thüringen und das heutige Königreich Sachsen. Wir kennen die Auflösung der Herrschaftsverhältnisse in diesen Gegenden aus der Zeit König Rudolfs. Ja hatte Rudolf nicht vielleicht hier das zweite Hausmachtscentrum finden wollen, das er in Schwaben und Burgund vergeblich gesucht? Wie dem auch sei: Thüringen vor allem, wo Albrecht der Unartige mit seinen Söhnen Friedrich und Diezmann in ewigem Zwiste lebte, forderte zu eigensüchtigen Eingriffen der Reichs⸗ gewalt heraus. Das umsomehr, seitdem am 16. August 1291 Markgraf Friedrich Tuta von Meißen und Osterland gestorben war und seinen Besitz seinen Vettern Friedrich und Diezmann hinterlassen hatte. Wie, wenn der König jetzt Meißen und Osterland als erledigte Reichslehen einzuziehen und im Kampfe um diese Lehen zugleich Thüringen zu erobern suchte? Adolf nahm dies Ziel auf und verband sich zu diesem Zweck mit Albrecht dem Unartigen.