32 Elftes Buch. Erstes Kapitel. Auch auf Böhmen wurde ein doppelter Anspruch erhoben: von Heinrich von Kärnten, dem Sohne Graf Meinhards I. von Tirol, als Gemahl der Schwester des letzten Wenzels, und von König Albrecht, der das Land von Reichs wegen einziehen wollte, natürlich zu Gunsten seines Hauses. Und Albrecht hatte Glück. Nach einem gut verlaufenen Feldzuge sah er seinen Sohn Rudolf schon im Oktober 1306 als böhmischen König anerkannt, und bereits am 14. Januar 1807 konnte er die Gesamtbelehnung seines Hauses mit der neuen Krone voll⸗ ziehen. Eine außerordentliche Stellung schien ihm und seinem Geschlechte gewiß, um so mehr, als Rudolf sich als ein treff⸗ licher Regent im Sinne seines Vaters erwies. Da starb Rudolf in frühen Jahren am 4. Juli 13807, Heinrich von Kärnten trat von neuem als Prätendent auf: die Thronfolge— frage war wiederum eröffnet. Und jetzt verquickte sie sich mit den westlichen Schwierig— keiten aus der ersten Hälfte der Regierungszeit König Albrechts. Heinrich von Kärnten gewann die Thüringer Fürsten für sich und den Grafen von Württemberg. Am Rhein, wo die alten, einst gedemütigten Erzbischöfe einer nach dem andern gestorben waren, murrte ein neues Geschlecht gegen den König; die Erz⸗ bischöfe von Köln und Mainz, Heinrich von Virneburg und Peter Aspelt, begannen die verpönten Zölle von neuem zu er— heben, und sie erbaten sich hierzu eine Ermächtigung von der Kurie, von dem unter französischem Schutze und Einflusse in Avignon residierenden Papst. Albrecht sah eine Koalition seiner inneren Gegner im Osten und Westen, sowie seiner äußeren Feinde erwachsen von bisher noch unbekannter Ausdehnung und Gewalt; er hatte vor, ihr mit der energischsten Kraftäußerung zu begegnen. Da, mitten in den Rüstungen zum größten Kampf seines Lebens, ward er, am 1. Mai 1308, ermordet. Die Ermordung Albrechts geht auf elende, wenngleich — F wandtenhasses zurück; furchtbar ist sie von den beleidigten