76 Elftes Buch. Zweites Kapitel. unseren Herrschern wohl am ehesten an die Person des großen Staufers Friedrichs J., und auch die Politik beider Herrscher zeigt verwandte Züge. Für den neugewählten König gab es nur ein Mittel, sich fest in den Sattel zu bringen: der Erwerb einer Hausmacht. Die Habsburger hatten eine solche im Südosten des Kolonial—⸗ gebietes begründet, Adolf von Nassau sie in Thüringen und den anschließenden Ostgebieten gesucht, Heinrich fand sie in Böhmen. Böhmen hatte sich nach Otokars Fall unter seinem Sohne Wenzel mächtig gehoben. Abgesehen vor einer sorgsamen Ver— waltung brachten die Silberbergwerke vornehmlich von Kutten⸗ berg Einnahmen von einer Höhe, wie sie später nur noch den Wettinern aus den Schätzen des Erzgebirgs zugeflossen sind. In beiden Fällen war der Erfolg der gleiche: das Land blühte trotz des prunkhaften Lebens am Hofe empor, und neben die rohe Pflege des Daseins trat schon die geistiger Interessen; damals bereits ist der Gedanke aufgetaucht, in Prag eine Universität zu gründen. Zugleich hob sich die Stellung Böhmens nach außen; die Erbschaft Herzog Heinrichs von Breslau, die auch die polnischen Herzogtümer Krakau und Sandomir umfaßte, fiel dem Lande zu, und im Jahre 1800 ward Wenzel zugleich polnischer König!. Dazu schienen auf dem Boden des Reichs größere Erwerbungen nicht außer dem Bereiche der Möglichkeit: Eger, das Pleißner Land, die Markgrafschaft Meißen. Ja dechische Quellen wissen zu berichten, Wenzel habe nach König Rudolfs Tode sehr wohl die deutsche Krone erringen können, wenn er nur ernstlich ge⸗ wollt hätte. Nun war das Haus der Przemygliden ausgestorben, und das Land hatte eine kurze Herrschaft der Habsburger gesehen?. Seine Zukunft war ungewiß. Zwar hatte sich während des Interregnums wiederum Heinrich von Kärnten, der Schwager des letzten Przemysl Wenzels III. festgesetzt; allein das Land Bgl. Band III S. 801. Zur Lage Böhmens vgl, auch noch a. a. D. S. 80 sf. 2 Soben S. 61f.