Kämpfe zivischen Papsttum und Kaisertum; goldene Bulle. 79 Und über dem demokratischen Gemisch dieses Volkes hatten nicht selten einzelne hervorragende Geschlechter Gewalt entwickelt, sei es, um sich gegenseitig zu bekämpfen, sei es, um eine Tyrannis über alle zu begründen. Es waren Bewegungen, die um 1300 vielfach zu einem gewissen Abschluß gelangt waren; damals gab es in Oberitalien schon vierzehn große Städte mit Signorien, darunter so bedeutende, wie Verona unter der Tyrannis der Scaliger. Freilich an anderen Orten kämpfte man noch um Volksherrschaft oder um Signorie; so standen sich in Mailand die Visconti und Torreani gegenüber. Und immer brachte man die Siegenden wie die Besiegten noch mit dem alten Gegensatz der Ghibellinen und Guelfen in Verbindung. Für einen einziehenden deutschen König bot diese Lage Schwierigkeiten. Wie leicht hätte er einige Jahrzehnte früher sich an die Spitze des Popolo setzen und Reichsvogteien da er— richten können, wo sich um 1810 Signorien vorfanden. Jetzt galt es, einen Platz über den Parteien und über den Stadtherrschaften zugleich zu gewinnen. Das einzige hierfür günstige Moment lag in der allgemeinen Stimmung des Landes. Wie sehnten sich doch die Friedlichgesinnten und Weiterblickenden heraus aus dem schrecklichen Einerlei dieser Kämpfe! Sie erwarteten in dem —DD Versöhner. Und hiermit verband sich bei den edelsten Enthufiasten die Erwartung, der nordische Herrscher werde das Kaiserreich wieder herstellen in seinem alten Glanze und Umfang; unter ihm werde Rom wieder zur Hauptstadt und Hirtin der Völker werden. Das sind die Ideen, die namentlich in den jungen Kreisen des eben erblühenden ersten Humanismus emporschossen; niemand hat sie bezeichnender verkündet als Dante. Ihm war König Heinrich der starke Löwe aus Juda, der sich des Jammer⸗ geschreies der allgemeinen Gefangenschaft erbarmt, der zweite Moses, der sein Volk den Plagen der Agypter entreißen wird. Er sah ihn nahen als Bräutigam Italiens und Trost der Welt, den mildvollen Heinrich, den göttlichen Augustus und Cäsar. In Heinrich regten sich ähnliche Gedanken, als er im Herbst 1310 über den Mont Cenis nach Italien hinabstieg. Er hatte