Soziale und politische Entwicklung des Bürgertums. 187 auf Produkten des Ackerbaues, halb auf Erzeugnissen des Haus⸗ fleißes fußten, die Leinwand und Wollenzeug, Schindeln und Dauben, Schüsseln und Reifen, Kessel und Pflugscharen fertigten. Sie alle begannen mit dem Steigen städtischen Verkehrs sehn⸗ —00—— Stadtwälle zu schauen, sie verließen ihre Gütchen und zerrissen ihr grundhöriges Band, sie flohen den Städten zu. Hier lebten sie in Schweigen und Hoffnung, bis daß ein Jahr seit ihrer Flucht verstrichen war und sie sich durch die Luft der neuen, freien Umgebung vor weiterer Verfolgung seitens ihres Grundherren geschützt sahen: dann tauchten sie empor und stellten ihre alte Kunst⸗ fertigkeit in den Dienst des neuen Berufes. Es waren Wan⸗ derungen, denen sich auch wohl rein ackerbauende Grundholde gelegentlich anschlossen: wie jede zuwandernde willige Arbeits- kraft erhöhten sie Bedeutung und Macht der Stadt. Darum wurden auch sie als Ankömmlinge gern aufgenommen, so mittellos sie zumeist eintrafen; noch in später Zeit hatten sie in Frankfurt zunächst kein Burgergeld zu zahlen, sie kamen gleichsam auf Versuch, und man stundete ihnen die Forderung mit der schönen Formel: si fortuna sibi arridebit, pagabit. Und das Glück lachte den meisten. Das Handwerk galt noch als Kunst; es trennte von der Menge, die in unquali⸗ fizierter Arbeit aufging; seine Vertreter wurden haushäbig in einer kleinen Bretterhütte zu Zins oder Rente; sie galten als mehr oder minder frei; die Anfänge eines auf sich gestellten Handwerks neben dem alten hofhörigen Handwerk tauchten emvor. In diesem Zusammenhange nun, in der Zeit des Neben⸗ einanderbestehens hofhöriger und freier gewerblicher Arbeit, erwuchs für die zahlreicher vertretenen Handwerke die Zunft. Wie ist sie entstanden? Ein schwer zu lichtendes Dunkel ruht über dem konkreten Vorgang ihrer Bildung nicht minder, wie über den ersten organisatorischen Anfängen der Großkaufmann⸗ schaft. Wir stehen hier vor einer jener geheimnisvollen Kam— mern anfänglichen geschichtlichen Lebens, in die einzudringen dem Historiker wohl ebenso wenig vollkommen gelingen wird, wie