192 Zwölftes Buch. Erstes Kapitel. der Aufgabe voller Leitung der städtischen Interessen nicht mehr gewachsen zeigten. III. Sollte die Zunft die wichtigen, ihr übertragenen obrig— keitlichen Rechte vollkommen nutzen, so bedurfte es einer Hebung ihrer wirtschaftlichen und sozialen Grundlagen. Das geschah in den fortgeschrittensten Städten etwa seit Anfang, überall aber seit Mitte des 13. Jahrhunderts. Es war hierzu vor allem nötig, daß die bisher fast mittellosen, wesentlich nur auf ihrer Hände Arbeit angewiesenen Genossen ein Arbeitskapital erwarben, das ihnen den sorgenfreien und selbständigen Betrieb ihres Handwerks gestattete. Die wirtschaftliche Entwicklung war dem günstig. Die Preise der landwirtschaftlichen Produkte waren im 18. und 14. Jahrhundert allgemein sehr niedrig: es war das Zeitalter der Kolonisation und des letzten großen Landesausbaus!. Und andrerseits standen die Handwerkslöhne sehr hoch; handelte es sich doch bei ihnen noch um besonders bewertetel, etwa im Sinne heutigen kunstgewerblichen Schaffens aufgefaßte Arbeit. So kam es, daß im allgemeinen etwa schon der halbe Tages— lohn eines Handwerkers zur Beschaffung voller Nahrung ein— schließlich des Fleisches und Weines ausgereicht haben wird; sehr leicht konnte der Handwerker sparen. Die Ersparnisse aber dienten naturgemäß der Entwicklung eines besseren Arbeits— kapitales. Der ermietete Grund und Boden, darauf der einzelne zunächst nur eine kümmerliche Bretterbude gesetzt hatte, wurde mit einem kleinen Häuschen bebaut: so erschien dies Häuschen bald als das Wesentliche des ganzen immobiliaren Besitzes, und das auf die Bodenmiete für den Handwerker bisher konstituierte Verhältnis halb persönlicher Bindung, das im Vordergrund ge— standen hatte, trat zurück und verschob sich in eine rein dingliche Erbpacht. Und bald trat, zumeist wohl in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, eine noch weiter gehende Wendung zu Vgl. Band III S. 324 ff.