414 382 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel. er nichts Anziehendes mehr; die Deutschen verglichen seine Stellung in Böhmen wohl gar mit der eines Schweines im Stalle und auch die Cechen, deren Adel er plump verletzt hatte, waren seiner satt. So handelte es sich für Wenzel schon nicht mehr allein um die deutsche Krone, sondern auch um die Krone Böhmens. Und nicht die deutschen Fürsten und der dechische Adel allein wollten ihm beide entreißen; auch seine Familie ging gegen ihn vor; allen voran sein Vetter Jost, ein schmutzig geiziger Rous von gleißnerischem Wesen. Jost und der kechische Adel waren es, die ihn am 8. Mai 1894 im Kloster zu Beraun gefangen nahmen, um ihn zu entthronen. Das war aber denn doch den deutschen Fürsten zu stark. Pfalzgraf Ruprecht II. nahm das Reichsvikariat in Anspruch und wußte durch Drohungen die Rebellen so zu erschrecken, daß sie am 2. August 1394 Wenzel wieder freigaben, der nun seinerseits Jost in den Karl⸗ stein gefangen that. Allein Wenzel war damit seinem Schicksal, soweit das Reich in Betracht kam, nur auf Jahre entgangen. Kaum re— gierte er wieder in Böhmen, so regten sich in Deutschland, zu—⸗ nächst bei den rheinischen Kurfürsten, neue Absetzungsgelüste. Wenzel versuchte ihnen entgegenzutreten, indem er am 17. März 1396 Sigmund zum Reichsvikar ernannte; es war ein erneuter Schritt, wenigstens seinem Haus das deutsche Königtum zu er—⸗ halten. Vergebens. Was sollte es nützen, dem in Tuͤrken— kriegen beschäftigten Bruder ein Reichsvikariat zu übertragen, das er doch nicht ausüben konnte? Die Fürsten sahen die Ernennung als eine kraftlose Herausforderung an und gingen erst recht gegen Wenzel vor: seit Herbst 1896 war in ihren Kreisen kein Zweifel mehr daran, daß Wenzel beseitigt werden müsse; und schon wurde zwischen Mainz und Kurpfalz über die Thronkandidatur des Pfalzgrafen Ruprecht verhandelt. Wenzel hatte diesen Absichten, wie fie seinen Bevollmäch⸗ tigten auf dem Frühlingsreichstag des Jahres 1897 zu Frankfurt offen entgegentraten, noch verzweifelte Mittel der Abwehr ent⸗ gegengestellt. Er erschien nun plötzlich im Reich und suchte die