394 Dreizehntes Buch. Zweites Kapitel. nun als die laien in weissen schuchen, in claidern von merdern, Aber auch die Pfarreien wurden vielfach als an Fremde verleihbare Pfründen betrachtet. So kamen ihre Einnahmen in die Hände reicher Leute vom geistlichen Adel; den Dienst an der Gemeinde aber versahen elende Vikare als Mietlinge, von denen es in einer allerdings Verallgemeinerungen und Übertreibungen liebenden Flugschrift heißt: die hant nu das ewangeli nit kunden predigen, noch die sacrament der kirchen 2e trost und ze nutz dem glauben beschicken noch béeordnen?. Die Folge war, daß die Gemeinden verwahrlost wurden und daß die schon seit längerer Zeit heimlich ihr Wesen treibenden Sekten sich mehr und mehr ausbreiteten, die Waldenser in der Schweiz und längs des Rheins, in Schwaben und in Thüringen, die Winkler von Straßburg her am Oberrhein und im oberen Deutschland, die Gemeinden der Alten in Steier⸗ mark, anderer nicht zu gedenken. Freilich noch einmal ent⸗ ledigte sich die Kirche ihrer scheinbar. Sie mußten ihre Sache Gott anheimstellen in Schweigen und Hoffnung; wo sie den Mund regten, da starben sie als Märtyrer ihres Glaubens. Denn brutal und mit rein weltlichen Mitteln griff die kirchliche Aristokratie der Bischöfe gegenüber jeder geistlichen Gegnerschaft durch. In nicht geringerer finanzieller Verlegen⸗ heit, als die unteren Grade ihres Klerus und die kirchlichen Genossenschaften, dazu Landesherren und zu territorialer Politik in Feuer und Schwert geneigt, waren die Bischöfe gewöhnt, Hilfsleistungen rein weltlicher Art durch Bann und Interdikt zu erpressen: wie sollten sie da vor der Anwendung weltlicher Strafen gegenüber den Ketzern zurückschrecken? Hier wie sonst machten sie und ihr Klerus das Wort Eberhard Windecks war: wo man poses horte oder krieg war, so hiess es: der bischof. der probst. der herrliche dechan, der pfaffs. 1Reform. Sigmund. ed. Böhm S. 191. 2 a. a. O. S. 182. ʒAschbach, Geschichte Kaiser Sigmunds 4, 315.